Umfrage in Kreisjägerschaften: Dramatischer Rückgang bei Fasanen

18. November 2013, Dortmund (LJV). Die Niederwildmisere in Nordrhein-Westfalen und hier ganz besonders der dramatische Rückgang der Fasanen lösen Alarmstimmung aus. Eine Blitzumfrage für den Rheinisch-Westfälischen Jäger – die Ausgabe erscheint Anfang Dezember – über die ersten Streckenergebnisse beim Niederwild (Stand Mitte November) hat die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Praktisch alle Kreisjägerschaften aus den Niederwildregionen des Landes haben sich daran beteiligt. Der Tenor ist eindeutig: Die bisherigen Erfahrungen lassen das Schlimmste befürchten. Reihenweise wurden Treibjagden abgesagt.

Die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn kümmert sich vorrangig um den Fasanenrückgang. Die Ursachen müssen gründlich und mit wissenschaftlichen Mitteln erforscht werden. Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen hat dazu die Initiative ergriffen. Die Finanzierung ist gesichert, die Durchführung wird beschleunigt. Es ist nicht nur ein Thema der jagdbaren Arten. Der Zusammenhang reicht viel weiter. In der Landschaft sinkt die Zahl der Vögel dramatisch. Allein in Deutschland trifft es mehr als 40 Arten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen bereits, dass die Bestandsentwicklung unserer Brutvögel dramatisch zu sinken scheint. Unser Anliegen für eine artenreiche Wald- und Feldflur teilen wir also mit allen Naturnutzern und Naturschützern.

 

Die Lage des Niederwilds und die Artenvielfalt in der Feldflur waren auch das zentrale Thema beim jüngsten Treffen der zehn Partnerverbände für den ländlichen Raum in Nordrhein-Westfalen. Die Verbände haben ein gemeinsames Vorgehen beim Thema Biodiversität und Artenvielfalt vereinbart. Sie wissen, was die Stunde geschlagen hat. Dr. Michael Petrak Telefon 0228/97755-0, Leiter der Forschungsstelle, nimmt Stellung im Dezember-RWJ zum bis 2016 datierten „Forschungsprojekt Fasan“ und dem aktuellen Aufgabenschwerpunkt:

 

Die Klärung der Rückgangsursachen für den Fasan zählt aktuell zu den vordringlichen Aufgaben. Im Rahmen des Gesamtprojektes haben die Partner verschiedene Aufgabenschwerpunkte übernommen. Zentral ist das vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule in Hannover in Kooperation mit der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung durchgeführte Projekt zur Epidemiologie. Hier stehen die Infektionskrankheiten als mögliche Rückgangsursachen im Vordergrund. Die Untersuchung 2013 bietet eine erste Analyse zum Vorkommen wichtiger Krankheitserreger bei Fasan und Rebhuhn. Es sollen Aussagen zu dem Erreger- bzw. Antikörpervorkommen beim Fasan und eine Einschätzung der Infektionskrankheiten als primäre oder sekundäre Ursache der Besatzrückgänge gewonnen werden.

  1. Aktuell, d.h. in der laufenden Jagdzeit, steht die Beprobung der Jagdstrecken im Vordergrund. Herr Dr. Gehle ist Koordinator für die Probenentnahme in Nordrhein Westfalen. Er trägt dafür Sorge, dass 150 Fasanen nach Vorgaben des ITAW beprobt werden. Wer das Projekt unterstützen will, wendet sich telefonisch oder per Mail an Herrn Dr. Thomas Gehle (thomas.gehle@wald-und-holz.nrw.de, Tel.: 0228/97755-14, Handy: 0160/ 98916008).
  2. Zur Materialsicherung und Diagnostik auf der Grundlage der Strecken kommt die Fallwilduntersuchung. Wer das Projekt unterstützen will, sendet sein Fallwild direkt an das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Hannover. Weitere Informationen unter: http://www.wildtiermanagement.com/wildtiere/federwild/fasan/ Im Download ist die Vorgehensweise zum Einsenden von Fallwild erläutert.
  3. Wer in Ausnahmefällen keine Möglichkeit sieht, Fallwild nach Hannover zu senden, unterstützt das Projekt auch dadurch, dass er die Proben an das Untersuchungsamt in Münster sendet. Im Rahmen der Kooperation bittet die FJW Proben zur weiteren Diagnostik dann entsprechend weiter zu geben.
  4. Langzeitstudien der Forschungsstelle zur Bedeutung von Stressoren zu Fasan und Feldhase, werden in der Verantwortung des Arbeitsgebietes Schutz des Wildes, Leiterin Frau Dr. Lutz, fortgeführt. In Ausnahmenfällen kann es zu einer „parallelen“ Probensicherung kommen.
  5. Die Streckenanalyse auf Landesebene erfolgt im Rahmen der Gesamtauswertung durch das Arbeitsgebiet Wildbiologische Landschaftsinformation (Dr. Eylert). Die gezielte Analyse zum Fasan erfolgt durch das Sachgebiet Niederwild (Dr. Gehle).
  6. Bei zusätzlichen Studien des Stifterverbandes für Jagdwissenschaft stehen ökologische und verhaltensbiologische Fragen unter den Aspekten von Jagd und Hege im Vordergrund.
  7. Über Ergebnisse und Einsicht aus dem Projekt wird fortlaufend Informiert wie im Rahmen des Bonner Jägertages, durch Veröffentlichungen im Rheinisch-Westfälischen Jäger und bei den Vorträgen in den Regionen. Im ersten Heft des nächsten Jahres werden die Projektpartner wieder in gewohnter Weise über den Sachstand berichten. Dies können naturgemäß nur erste Zwischenergebnisse sein. Eine Fortführung der Untersuchung ist in jedem Fall angezeigt. In jedem Fall ist es sinnvoll bewährte Hegemethoden fortzuführen.

 

Für die Unterstützung gilt der Dank allen Praktikern vor Ort, die die Untersuchungen unterstützen. Die Kooperation von Wissenschaft und Praxis ist Voraussetzung für die Klärung. Für Rückfragen steht die Forschungsstelle gerne zur Verfügung.