Landesregierung mit Jagdgesetz allein auf weiter Flur

Nur neun Prozent haben Probleme mit der Jagd – Emnid-Umfrage vor Jägerdemo am Mittwoch

 

16.03.2015, Dortmund. Nur eine ganz geringe Minderheit hat Probleme mit der Jagd, wie sie heute ausgeübt wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Emnid-Instituts, die vom 12. bis 14. März unter 1.000 Befragten im Auftrag des Grundbesitzerverbandes Nordrhein-Westfalen durchgeführt worden ist. Der GBV hat zusammen mit dem Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen und anderen Landnutzern zur Großdemonstration am Mittwoch (18. März) vor dem Landtag in Düsseldorf gegen die Pläne der nordrhein-westfälischen Landesregierung für ein neues Jagdgesetz aufgerufen („Für Land und Leute! Schluss mit den Verboten!“).

 

Der Umfrage zufolge halten nun neun Prozent der Bevölkerung die Jagd für nicht gut. „Für eine Änderung des Jagdgesetzes gibt es also überhaupt keine Mehrheit in der Bevölkerung“, sagt Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW. Den zuständigen Minister Johannes Remmel (Grüne) und die Landesregierung sieht er mit dem Gesetzentwurf allein auf weiter Flur. „Remmels Hinweise, die Gesellschaft fordere ein neues Jagdgesetz, ist null und nichtig.“

 

Jäger, Grundeigentümer und andere Landleute halten die von Remmel beabsichtigten Änderungen sogar für fachlich kontraproduktiv. Ihrer Ansicht nach werden Tier-, Natur- und Artenschutz durch das Vorhaben verschlechtert. „Die Jäger fühlen sich missverstanden und von der Politik ignoriert. Da ist inzwischen viel Frust im Spiel“, sagte Max von Elverfeldt (50) bei der Vorstellung der Emnid-Befragung am Montag (16. März). Immer weniger Menschen in den Ballungsgebieten wüssten etwas über die Natur. Elverfeldt: „Das trifft leider auch auf manche Abgeordnete zu. Wie sollen sie verantwortlich über einschneidende Änderungen im Landschafts-, Jagd- oder Fischereigesetz entscheiden, wenn sie die Materie bestenfalls aus Büchern kennen?“

 

In der Tat scheinen die Aufgaben und Leistungen der Jäger vielen Menschen in den Ballungsgebieten nicht mehr bewusst zu sein. Sie reichen von der Regulierung der Wild- und Raubwildpopulation über die Beseitigung von Unfallwild bis hin zur Versorgung der Tiere in Notzeiten oder der Bekämpfung von Wildkrankheiten. Dabei wird die Jagd positiver gesehen, als sie von Umweltverbänden dargestellt wird. 93 Prozent der Befragten finden laut Emnid, dass Jäger durch die Pflege ihrer Reviere zum Natur- und Artenschutz beitragen. 77 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, dass die Jägerinnen und Jäger in Zukunft mehr Wildtiere erlegen sollten, wenn dies notwendig ist, um den Wald zu schützen und Wildschäden zu vermeiden. 86 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Versorgung von Tieren in Notzeiten aus. Demgegenüber sind nur 13 Prozent der Auffassung, dass Jäger Wildtiere aus reiner Freude töten.

 

16. März 2015