Jochen Borchert mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet

2. Juli 2018, Düsseldorf, Bochum, Dortmund (LJV). Jochen Borchert, von 2002 bis 2012 Präsident des Landesjagdverbandes, ist mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. 

Finanzminister Lutz Lienenkämper (links) überreichte dem früheren Jägerpräsidenten Jochen Borchert den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister Lutz Lienenkämper (links) überreichte dem früheren Jägerpräsidenten Jochen Borchert den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Kanzler Helmut Kohl von 1993 bis 1998, gehörte über ein Vierteljahrhundert von 1980 bis 2009 dem Deutschen Bundestag an und war von 2003 bis 2011 auch Präsident des Deutschen Jagdverbandes. LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg gratulierte Borchert persönlich zu der Auszeichnung.

 

Die Ehrung Borcherts und 17 weiterer Bürger fand in einer Feierstunde Anfang Juli im Museum Kunstpalast in Düsseldorf statt. Finanzminister Lutz Lienenkämper würdigte in Vertretung von Ministerpräsident Armin Laschet, dass Borchert auch in hohen Ämtern und Aufgaben den Kontakt zur heimatlichen Basis nie verloren habe. So leitete der heute 78-Jährige über 23 Jahre lang die Geschicke der CDU in Bochum. Borchert ist engagierter Umwelt- und Naturfreund. „Und weil er das ist, ist er heute gleich zweifacher Ehrenpräsident, nämlich des Landesjagdverbandes NRW und des Deutschen Jagdverbandes“, so Lienenkämper, „das Bewusstsein dafür, dass in einer urbanisierten Gesellschaft die Jagd zum Naturschutz gehört und dazu beiträgt, das Ökosystem zu pflegen und zu stärken, ist auch ihm zu verdanken.“

 

Borchert habe Nordrhein-Westfalen nicht zuletzt geprägt als Präsident der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege. In seiner Amtszeit wurden 516 Projekte bewilligt und hunderte von ehrenamtlichen Vereinen gefördert. Großprojekte wie die Renovierung von Burgen oder der Einstieg in das Nationale Naturerbe fanden unter seiner Präsidentschaft statt. Lebensräume für gefährdete Tiere und Pflanzen zu schaffen und Baudenkmäler zu pflegen, gehört ebenfalls zu den Aufgaben dieser Landesstiftung, an deren Arbeit er bis heute als Ehrenpräsident regen Anteil nimmt.

 

Borchert zählte über viele Jahre zu den versiertesten politischen Anwälten des ländlichen Raumes. 1970 hatte er mit seiner Frau Ingrid den landwirtschaftlichen Pachtbetrieb in Bochum-Wattenscheid von seinen Eltern übernommen. Zur selben Zeit begann der schon zum Agraringenieur und Landwirtschaftsmeister ausgebildete Borchert in Bochum ein Studium der Wirtschaftswissenschaft, das er 1974 als Diplomökonom beendete. Obwohl Borchert sich seit Jahrzehnten ganz im Ruhrgebiet zuhause fühlt, ist er nicht von Geburt ein Mann des Reviers. Geboren wurde er am 25. April 1940 in Nahrstedt im Kreis Stendal/Sachsen-Anhalt. Über Berlin, Bramsche bei Osnabrück und Bremen kam der Flüchtlingsjunge nach der Lehre 1959 nach Wattenscheid. Die deutsche Wiedervereinigung 1990 hat er als ganz persönliches Glück empfunden. Den Kontakt in seine sachsen-anhaltinische Heimat hatte er nie verloren. „Die Wiedervereinigung“, so erzählte er einmal, „hat mich emotional unglaublich mitgenommen.“

 

Sein Vater hatte mit der Familie gerade noch in den Westen fliehen können. Der Onkel war 1957 wegen Fluchthilfe zu sieben Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt worden. Als ihm Anfang der 1990er Jahre die Nahrstedter Genossenschaftsjagd unaufgefordert einen Pachtvertrag zuschickte, da hat sich für ihn ein Stück seines Lebenskreises geschlossen – „auch wenn ich bei der Wiedervereinigung sicher nicht an die Jagd gedacht habe.“