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Krähen greifen Kinder an: Spielplatz geschlossen

Naturschutz gegen Kinderschutz: Räuberische Rabenvögel gefährden spielende Kinder in Kiel. Die Tiere versuchen, ihren Nachwuchs verteidigen.

 

Krähenalarm auf dem Spielplatz am Kieler Blücherplatz. Schon seit Dienstag passen vier Ein-Euro-Jober auf, dass die schwarz gefiederten Vögel spielenden Kindern nicht zu nahe kommen. Jetzt wurde ein Teil des Platzes komplett abgesperrt. Ein eigens angefertigtes Schild an hohen Zäunen warnt Mütter und Väter vor aggressiven "Tieffliegern". Nach Angaben der Stadt eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem es im Kieler Stadtgebiet bereits mehrfach zu Flugattacken von Krähen gekommen war. Wie in Hitchcocks Vogel-Thriller.

 

So wurde ein Mitarbeiter der HSH-Nordbank im Ratsdienergarten "wie aus heiterem Himmel" von mehreren Krähen angegriffen. Die Abwehrschlacht endete mit einem Sturz und einer Platzwunde am Kopf. Erklärungsversuch des städtischen Umweltamtes: Der erste Flug einer jungen Rabenkrähe sei daneben gegangen. Die besorgten Rabeneltern hätten den "Landeplatz" ihres Nachwuchses mit Schnäbeln und Krallen verteidigt.

 

"Wer will sein Kind schon in Gefahr bringen?"

 

Ähnliche Vorfälle will die Stadt am Blücher-Spielplatz vermeiden. Hier brüten zahlreiche Krähen in den hohen Kastanien. "Gut, dass gewarnt wird, wer will sein Kind schon in Gefahr bringen", sagt eine junge Mutter und schiebt den Kinderwagen mit ihrem Baby schnell weiter. Wo sonst bis zu 100 Kinder spielen, herrscht gähnende Leere.

 

Nach Angaben des Umweltministeriums beherbergt Schleswig-Holstein einen erheblichen Anteil des deutschen Krähenbestandes. Derzeit sind im Norden 13.000 Rabenkrähen und 25.000 Saatkrähen unterwegs. In der vergangenen Jagdsaison wurde der Saatkrähenbestand um 26 Vögel reduziert und 15.000 Rabenkrähen abgeschossen. Doch ein härteres Vorgehen gegen die gefiederten Räuber, die vielerorts für Lärm, verdreckte Bürgersteige und geplünderte Mülleimer sorgen, lässt das EU-Recht nicht zu. "Einige Gemeinden helfen sich mit Vergrämungs maßnahmen an Alten heimen, Kliniken, Schulen, Bahn höfen und Kindergärten", sagt ein Ministeriumssprecher. Dadurch wolle man erreichen, "dass die Vögel an weniger sensiblen Orten brüten". Also nur eine Verlagerung des Problems.

 

"Ich bin auch für Naturschutz, aber das geht zu weit"

 

Wie hilflos das Ministerium angesichts der jetzt erforderlichen Spielplatzsperrung ist, zeigt der Ratschlag der Behörde: Es sei zu überlegen, ob man "die besondere Situation nicht dadurch ins Positive wendet, dass Kitas oder Schulen zusammen mit Naturschutzverbänden die Kinder über Rabenvögel informieren und so Interesse und Verständnis wecken".

 

Für die betroffene Mutter ist das keine Lösung: "Ich bin auch für Naturschutz, aber das geht zu weit." Sie wolle ihr Baby ohne Angst im Kinderwagen an die frische Luft stellen. Zum Trost: In zwei Wochen könnte der Spuk vorbei sein. Dann können die "Rabenbabies" vernünftig fliegen.

 

Quelle:

www.shz.de/artikel/article//kraehen-greifen-kinder-an-kieler-spielplatz-geschlossen.html

 

 

 

Asiatischer Käfer eingeschleppt

"Bäume sofort fällen und verbrennen"

 

Ein neuer Schädling bedroht unsere Wälder und Straßenbäume. Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer ist bereits an zwei Stellen in Europa aufgefunden worden: in Deutschland und in Österreich. Der drei Zentimeter große Käfer mit den auffälligen weißen Punkten frisst im Holz von Ahorn, Rosskastanie, aber auch Pappeln und anderem Weichholz und kann die Bäume zum Absterben bringen. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig befürchtet, dass der gefährliche Schädling wiederholt eingeschleppt wird und sich ausbreitet.

 

In Deutschland wurde das erste Tier in Sachsen auf einem Lastwagen gefunden, der gerade aus Bremen mit einer Ladung Steingut aus China unterwegs war. Als Verpackung war einfaches Laubholz genommen worden, in dem sich wahrscheinlich der Käfer aufhielt, bevor er ins Freie kroch. Nahe der deutschen Grenze gibt es in Österreich einen weiteren Fundort, in Braunau, wo sich der Käfer offensichtlich schon vermehrt hat. "Die einzige Möglichkeit ist, die befallenen Bäume sofort zu fällen und zu verbrennen" sagt Professor Alfred Wulf von BBA-Institut für Pflanzenschutz im Forst.

 

 

In Österreich sind bisher mehrere Dutzend Bäume, vor allem Ahorn, gefällt und vernichtet worden. Schwierig ist allerdings die Diagnose. Nur die Ausschlupflöcher am Baumstamm und Nagespäne am Stammfuß weisen auf einen Befall hin. Aber dann ist der Käfer schon weitergeflogen und hat Eier an die nächsten Bäume gelegt.

 

 

Foto Der wunderschöne Käfer mit den lateinischen Namen Anoplophora glabripennis ist ein typischer Bockkäfer mit einem schmalen, etwa drei Zentimeter langen Körper und fast doppelt so langen Antennen. An den weißen Punkten auf den Flügeldecken ist er leicht zu erkennen. Die Käferweibchen legen während ihres bis zu zwei Monate dauernden Lebens etwa 50 weiße längliche Eier. Dazu beißen sie kleine Gruben in die Rinde des Wirtsbaumes, häufig im Bereich von Astansätzen.

 

 

Nach elf Tagen schlüpft die Larve und bohrt sich in die Rinde hinein. Später frisst sie auch im Splintholz des Baumes. Eine ausgewachsene Bockkäferlarve kann bis zu fünf Zentimeter lang werden und beachtliche Miniergänge mit einem Durchmesser von acht Millimeter bohren.

 

 

Foto Die weiße Puppe ist gut drei Zentimeter lang und einen breit. Die langen Antennen sind dabei aufgerollt an den Körper gelegt. Wenn die Käfer fertig entwickelt sind, bohren sie sich durch Holz und Rinde nach außen und schaffen damit die für den Befall charakteristischen Ausstiegslöcher. Die Käfer sind ausgesprochen schlechte Flieger und entfernen sich von ihrem Brutbaum unter günstigen Bedingungen kaum mehr als einen Kilometer. Damit sind die Erfolgsaussichten für eine Ausrottung einzelner Befallsherde der Käfer relativ gut.

 

 

Haben viele Larven einen Baum befallen, ist der Stofftransport zwischen Wurzel und Baumkrone unterbrochen. Die Bäume welken und sterben ab. Außerdem sind die Bohrgänge Eintrittspforten für Fäulepilze. Fäulnis an Bäumen ist besonders in Stadtgebieten gefährlich, weil bei Wind Äste abbrechen oder sogar ganze Bäume umfallen können.

 

 

Foto Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer hat ein weit ausgedehntes natürliches Verbreitungsgebiet in Japan, Korea und im südlichen China, wo er schwerwiegende Schäden verursacht. Der Käfer bevorzugt Pappel- und Weidenarten aber auch Ahorn, Ulmen und andere Weichhölzer. Zuckerahorn ist besonders attraktiv für ihn. Deswegen wurden diese Bäume sogar in China als Fangbäume in Pappelwäldern angepflanzt. Der Käfer wurde 1996 auch in den USA entdeckt. Dort wurden mehrere Tausend Bäume gefällt und nach dem Schreddern verbrannt.

 

 

Man war aber bisher nicht in der Lage, ihn wirklich wieder auszurotten. Pflanzenschützer und deutsche Förster sind jetzt vorgewarnt. "Neben der direkten Bekämpfung ist vor allem auch wichtig, dass keine neuen Käfer nach Europa eingeschleppt werden", so Professor Jens-Georg Unger von der Abteilung nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit der BBA in Braunschweig.

 

 

Laubholz für Verpackungen aus China muss frei von Bohrlöchern von mehr als drei Millimetern Durchmesser sein und darf keine Rinde mehr aufweisen oder es muss technisch getrocknet sein, was zum Absterben der Käferlarven führt. Diese Anforderungen müssen in China erfüllt werden. Bei Einfuhren sind die Verpackungen stichprobenartig zu kontrollieren. Dazu müssen die Kontrolleure an allen europäischen Häfen in der Lage sein, zum Beispiel die Feuchtigkeit des Holzes zu messen. Natürlich muss auch genügend Personal vorhanden sein.

 

 

Stichproben werden selten genommen. Nach Deutschland kommen jedes Jahr mindestens 300.000 Container oder mehr aus China. Unger schätzt, dass davon nur 150 kontrolliert werden. Andererseits verlangt die EU von den chinesischen Importeuren noch nicht einmal eine amtliche Bestätigung, dass das Holz nicht befallen ist.

 

 

In der Biologischen Bundesanstalt sieht man die Gefahr ganz realistisch. Dazu Unger "Wenn kein wirksames Behandlungssystem für Holzverpackungen etabliert wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Käfer und viele andere gebietsfremde Baumschädlinge in Europa endgültig eingeschleppt und etabliert sind." Wirtschaftliche Erwägungen und Mangel der Kontrollkapazitäten öffnen solchen Einschleppungen Tür und Tor.

 

 

Ein internationaler pflanzengesundheitlicher Standard, an dem die Biologischen Bundesanstalt derzeit mitarbeitet, könnte eine Verbesserung bringen. Vielleicht ist es beim asiatischen Laubholz-Bockkäfer dafür schon zu spät.

 

Quelle:

www.3sat.de/nano/news/27849/index.html