Waldexkursion der angehenden Jungjäger

Sassenberg (dor). Angehende Jäger lernen im Jungjägerkurs viel über Waldtiere, über Wildbiologie, über Waffenkunde und Jagdrecht. Da Jäger aber immer auch Naturschützer sind, müssen sie auch auf diesem Gebiet über dementsprechende Kenntnisse verfügen. Diplom-Forstwirt Dieter Wortmeier geht daher gleich zweimal pro Kurs auf Waldexkursion mit den angehenden Jungjägern. „Vor zwei Wochen waren wir in Boombergen in der Nähe von Harsewinkel“, erklärt der Naturfreund.

waldexkursion 2015 0720

Diese Zeichen zeigen den Holzrückeweg an. Das heißt sie markieren den Weg, über den die Forstmaschinen fahren können, um das Holz zu ernten.

Am Sonntag hieß er in einem Waldgebiet in Stromberg zwei Jungjäger-Gruppen willkommen. „Im Gegensatz zu Boombergen, wo Sandboden vorherrscht, haben wir es hier mit Lehmboden zu tun. Wer kennt die Unterschiede?“ waren die Teilnehmer der jüngsten Waldexkursion sofort aufgefordert, ihr Wissen abzurufen. „Lehmböden sind schwere Böden, sie sind nährstoffreicher und können gut Wasser speichern“, antwortete einer. Wortmeier zeigt sich zufrieden, ergänzt jedoch: Man nennt sie auch Minuten- oder Stundenboden, da sie sind nur bei gutem Wetter zu bearbeiten sind.“ Was damit gemeint ist, kann Dieter Wortmeier den angehenden Jungjägern wenig später in der Praxis zeigen. Ein Fahrzeug hat tiefe Spurrillen und Furchen im Waldboden, die nun mit Wasser gefüllt sind, hinterlassen. „Der Zeitpunkt, hier zu arbeiten, war nicht glücklich, man hätte besser noch etwas gewartet, bis der Boden trockener ist“, so Wortmeier.


Lehmboden wird nicht umsonst Minuten- bzw. Stundenboden genannt. Er sollte nur bei trockenem Boden befahren werden, wie diese tiefen Fuhrrillen beweisen.

Doch nicht nur die Bodenbeschaffenheit war Bestandteil der lehrreichen Exkursion. Die angehenden Jungjäger lernten auch etwas über verschiedene Einzäunungen und deren Preise, lernten Festmeter vom Raummeter bei Holz zu unterscheiden, wissen nun, warum stehendes Totholz noch wertvoller ist für Tiere und Natur als liegendes. Häufig waren die Teilnehmer auch aufgefordert, Pflanzen und Bäume anhand der Blätter zu erkennen. Sie mussten Besonderheiten wiedergeben und berichten, welchen Wald- und –Wildtieren sie als Nahrung dienen. Anhand von abgebissenen Knospen, abgewetzten und abgerissenen Baumrinden galt es, den Unterschied zwischen Verbeißen, Schälen und Fegen herauszuarbeiten. Dieter Wortmeier wurde nicht müde, den Männern und Frauen auch versteckte Naturschönheiten jenseits des Waldweges zu zeigen, wie etwa die blühenden Buschwindröschen, Primeln, oder auch das Frühlingscharbockskraut. Letzteres, so erfuhren, die Jungjäger, wurde früher oft als Mittel gegen Vitamin-C-Mangel eingesetzt. An anderer Stelle ließ Wortmeier die Teilnehmer am Bärlauch schnuppern, warnte jedoch davor, den Bärlauch mit Maiglöckchen oder dem giftigen Aronstab zu verwechseln.


Diplom-Forstwirt Dieter Wortmeier gab den angehenden Jungjägern des derzeitigen Jungjägerkurses bei der jüngsten Waldexkursion viele Informationen rund um die Natur.

Nach gut zwei Stunden kamen die Jungjäger mit jeder Menge neuem Wissen und neuen Erfahrungen zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Angesichts der Fülle der Informationen war einem Kursteilnehmer schon zu Beginn der Waldexkursion eines ganz klar geworden: „Es gibt für jede Lebenssituation eine Prüfungsfrage, das steht fest.“ Ober der junge Mann mit dieser Einschätzung richtig liegt, wird sich schon bald zeigen. Am 22. und 23. April steht nämlich die mündliche Prüfung auf dem Kursplan. Der letzte Schritt zum hart erarbeiteten, heiß ersehnten Jagdschein.