Jungjägerin Justina Fischer

Quelle: Die Glocke, 24.03.2015

 

Sassenberg / Ahlen (gl). Noch vor ein paar Wochen war für Justina Fischer ein Wald einfach ein Wald. Bäume waren Bäume. Und wenn sie in den Himmel schaute, sah sie vorbeiziehende schwarze Punkte – Vögel eben. Heute ist das anders. Seit Anfang Januar lässt sich Fischer zur Jägerin ausbilden. „Jetzt kann ich langsam erkennen, was da am Himmel unterwegs ist“, sagt sie. Die 25-jährige aus Ahlen ist eine der Nachwuchsjäger, auf die zwei Merkmale zutreffen, die immer häufiger werden: jung und weiblich. Jagen wird in NRW immer beliebter – gerade auch in dieser Gruppe. Und zwar aller Kritik und einer – vielfach beschriebenen – schwindenden gesellschaftlichen Akzeptanz zum Trotz.

Jungjaegerin Justina Fischer

Aber warum entscheidet sich eine junge Frau wie Justina Fischer, die als selbstständige Goldschmiedin und Podologin im Berufsleben steht und in der Stadt aufgewachsen ist, für eine Ausbildung zur Jägerin? Die Gründe sind vielfältig. „Mein Freund ist Jäger. Und in unserer Tiefkühltruhe wartete immer Wild, das zubereitet werden wollte“, erzählt sie. Also belegte Fischer ein Wurstseminar – und fand sich unter lauter Jägern wieder, die sich in der Waidmannssprache unterhielten. „Da kam ich nicht mit.“ Ähnlich ging es ihr, wenn sie mit Freunden in der Natur unterwegs war. Sie wollte mitreden können über das Wild und seinen Lebensraum – auch mit Blick auf die Zukunft. Fischer: „Wenn ich mal Familie habe, will ich erklären können, was draußen zu sehen ist.“ So wuchs der Wunsch, selbst Jägerin zu werden. Doch: „Dass die Ausbildung so hart werden würde, hätte ich nicht gedacht“, sagt Fischer. Den Jagdschein machen, das bedeutet: lernen. Vier Monate dauert die Ausbildung, dreimal die Woche Theorie, samstags Schießübung, sonntags Waldexkursion.

 

Doch die 25-Jährige bereut den Schritt nicht. Der Lerndruck helfe ihr, die Sache wirklich durchzuziehen. Und sie hat ihr Ziele vor Augen: statt nur mitzulaufen, selbst aktiv dabei zu sein; das Hobby Jagen mit ihrem Freund zu teilen; zu essen, was man selbst geschossen hat. Wobei: Ob sie später wirklich ein Tier schießen wird, das kann Fischer noch nicht sagen. Vor dem Töten hat sie großen Respekt. Und auch ans Schießen muss sich noch gewöhnen. „Der Rückstoß ist heftig“, sagt sie. Ende April steht die Prüfung an. Schon jetzt hat Fischer für sich selbst etwas erreicht: Sie nimmt die Natur anders, intensiver wahr.