Entstehung des Hegerings 4

Ungewöhnlich in seiner Vielfalt und einzigartig in seinen Kontrasten - damit wirbt der Niederrhein inzwischen international. Und zur Vielfalt dieses Wirtschafts- und Lebensraumes gehört auch traditionell die Jagd. Wer selten mit der Sonne aufsteht, wer mit Einbruch der Dämmerung am liebsten wieder zu Hause ist, wer mit anderen Worten ohnehin nicht viel mit der niederrheinischen Natur im Sinn hat, der kann sich wahrlich schwer in das Herz eines am Rheinstrom jagenden Duisburgers hineinversetzen.

 

Kaum vorstellbar, dass es im industrielastigen Duisburg noch Freiflächen und Biotope für jagdbares Wild gibt. Für eine Großstadt wie Duisburg mit starkem Freizeitdruck und gewaltiger Schwerindustrie kann sich die Jagd noch sehen lassen. Dabei machen sich die in den 1970iger Jahren verordneten Eingemeindungen der linksrheinischen Kleinstädte und Gemeinden mit ihren Wäldern, Feldern und Seen bemerkbar.

 

Jagdgesellschaftlich hat Duisburg Geschichte: Im Jahre 1989 feierte die Kreisjägerschaft Duisburg ihr 100jähriges Bestehen. Von den rund 1000 Jagdscheininhabern in Duisburg sind rund 560 Mitglieder der Kreisjägerschaft, die sich in fünf Hegeringen, vier rechts- und einem linksrheinischen, organisiert haben. Der flächenmäßig größte Hegering ist der im linksrheinischen Teil von Duisburg: Unser "Hegering 4". Zum rund 125 Personen zählenden Hegering 4 gehören die Stadtteile Rheinhausen, Homberg, Rumeln-Kaldenhausen und Baerl. Auch hier jagdgesellschaftlich Geschichte: Gegründet am 23. Februar 1880, ist unser Hegering, der seit der kommunalen Neuordnung 1975 als "Hegering 4 Rheinhausen" der Kreisjägerschaft Duisburg angehört, der älteste am gesamten Niederrhein. Nur wenige jagdliche Vereinigungen können auf ein derart langes Bestehen zurückblicken: Im Jahre 2000 feierte der Hegering 4 sein 120jähriges Jubiläum mit einem großen überregionalen Festakt. In einem Grußwort für die dazugehörige Festzeitschrift bestätigte der damalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Dieter Bruckschen: "Der Rhein - Duisburgs Strom, nicht Duisburgs Grenze. Die lange Tradition mit starken Beziehungen zum linken Niederrhein ist heute noch spürbar. Den sichtbaren Brücken über den Rhein aus Stahl und Beton folgten bald gute Kontakte zu den Rechtsrheinern."

 

Und so feierten nicht nur viele rechtsrheinische Jäger mit den Linksrheinern, sondern selbst der damalige DJV-Präsident Constantin Freiherr von Heereman nahm an den Feierlichkeiten als Ehrengast teil. Die ganze Veranstaltung wurde vom seinerzeitigen Hegeringvorstand, insbesondere unter dem unvorstellbaren Einsatz des heutigen Ehrenhegeringleiters Klaus Falken, durchgeführt.

 

Öffentlichkeitsarbeit ist gerade in einer Großstadt mit jagdlich weitgehend unkundiger Bürgerschaft vonnöten. Hierbei präsentiert sich der Hegering 4 als aktive dynamische Gemeinschaft, die nicht zuletzt im gesellschaftlichen Leben des Duisburger Westens eine wichtige Rolle spielt. Hier leistet unser Hegering mit Ausstellungen, Informationsständen, Hubertusmessen, Revierführungen oder mit kindgerechtem jagdlichem Unterricht in Schulklassen nicht nur in der Vergangenheit einen beachtlichen Anteil. Sicherlich wird man es nicht allen recht machen können, doch der Dialog wird gesucht und um das jagdliche Verständnis der Bürgerinnen und Bürger geworben.

 

Viel Schweiß und nicht zuletzt auch Geld investieren die Jäger im Duisburger Westen in die Biotope und Reviere. Der Hegering 4 bietet in seinen gemeinschaftlichen Jagdbezirken und den vier Eigenjagdbezirken reizvolle landwirtschaftlich genutzte Flächen mit noch guten Niederwildbesätzen.

 

Zu den Hauptwildarten im Bereich des Hegerings 4 zählen Rehwild, Füchse, Dachse, Hasen, Kaninchen, Fasanen, Schnepfen, Ringel- und Türkentaube. Kanada- und Nilgänse, Stockenten, Möwen, Rabenkrähen und Elstern werden teilweise intensiv bejagt. In einigen Revieren fühlen sich noch die jagdlich geschützten Rebhühner wohl.

 

Zahlreiche kleinere Waldparzellen, aber auch das große Waldgebiet "Baerler Busch" (etwa 315 ha Heide-Wald-Landschaft) bereichern das landschaftliche Erscheinungsbild. Seit 1979 ist die Rheinaue Friemersheim mit dem Altrheinarm "Die Roos" auf 262 ha ein Naturschutzgebiet, das durch Obstwiesen, Hecken, Kopfbäumen, Feldgehölzen inklusive einer Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten, darunter viele

Eulen, geprägt ist. Durch Auskiesungen entstandene "Baggerlöcher" etwa der Toepper-, Uettelsheimer-

oder Lohheidesee, zwar mit starkem Ausflugsverkehr, aber doch gutem

Wasserwildbesatz, bieten jagdliche Abwechslung.