Bislicher Insel

Am Sonntagmorgen quält man sich besonders ungern früh aus dem Bett, nicht wahr? Aber da half alles nichts - um 11 Uhr wartete der "Ranger" auf der Bislicher Insel  bei Xanten auf uns . Der "Ranger" bestand zum Glück nicht auf der primitivsprachlichen Neudeutschbezeichnung, sondern gab sich gerne mit Christoph Sprave zufrieden - so heißt er nämlich. Warum man in Deutschland einem Deutschen, der anderen Deutschen auf Deutsch ein Stück Deutschland zeigt, eine englische Bezeichnung verleihen muss, wird wohl auf ewig zu den bestgehüteten Rätseln der Menschheit zählen. Aber sei's drum... Herr Sprave verriet uns im  Naturforum Bislicher Insel zunächst etwas über die Gegend selbst, über den alten neuen Verlauf des Rheins, der an der Ausprägung der dortigen Auenlandschaft nicht ganz unschuldig war, erläuterte uns, was ein Mäander ist ( ein Fremdwort zum Angeben zuhause, sonst aber einfach eine Flusswindung) und viele Dinge mehr. Mag langweilig klingen, war es aber nicht, da Herr Sprave sehr anschaulich, leicht verständlich, aber dennoch nicht wie " für Doofe" erzählte. Anschließend ging es nach draußen in den kalten, aber sonnigen Sonntagmorgen. In Sachen Wetter war uns die Glücksfee hold - kein starker Wind, gutes Licht, mit funkelnden Eiskrusten übersähte Pflanzen allüberall bei strahlend blauem Himmel. Wenn Engel reisen...

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Entlang des  Weges über einen Teil der Bislicher Insel - die übrigens eine der letzten natürlichen Auenlandschaften Deutschlands ist - gab es eine Menge zu entdecken: unterschiedliche Strauch- und Baumbestände, unter anderem Schwarzerlen, die dort eigentlich nicht viel zu suchen haben, aber zum Erhalt der Art dennoch gepflegt werden, von Bibern umgenagte Bäumchen, reichlich Exemplare aus der Pflanzen - und Vogelwelt, natürlich Massen an Wildgänsen und - Kühe. Auf einer Warft ( das ist ein kleiner Hügel, der auch vom Hochwasser nicht überspült wird) wurden wir von einer Schar freundlicher brauner Kühe ( die sich eventuell Limousin-Kühe nennen oder eher von uns Menschen so genannt werden) misstrauisch beäugt: die Sippe hatte Nachwuchs, da ist man den  verdächtigen Zweibeinern gegenüber grundsätzlich etwas vorsichtig eingestellt. Auch in Anbetracht des leicht muffig blickenden Bullen hielten wir etwas Abstand, zumal die Kühe dort einfach frei herumlaufen, lediglich ortsgebunden durch Weiderost am Boden der Zugänge, die auch die Stöckelschuhfraktion vor gewisse Herausforderungen stellt. Die Kühe haben auf der Bislicher Insel die Aufgabe, das Gras kürzer zu halten. So kann man auf Rasenmäher  recht gut verzichten. Inmitten der Tour stieß ein berüchtigter Waidmann zu uns, der natürlich wieder einmal zu spät kam; irgendwas ist ja immer. Diesmal waren es ein paar frisch gewechselte Winterreifen, deren Muttern nachgezogen werden mussten, deren Schlüssel aber erst nach längerer Suche aufgefunden wurde. Allerdings hatte der Herr neben seiner Ausrede auch vier Ferngläser im Gepäck; von klein und günstig über klein und teuer bis groß und schwer und sauteuer. Diese vier Gläser ergänzten drei weitere Exemplare, die Frau Henseler-Muthig angeschleppt hatte.

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Alle Ferngläser wurden an die Teilnehmer verteilt, damit sich vor allem unsere Jungjägeranwärter einen kleinen, praktischen Überblick verschaffen konnten. Dringende Fragen wurden gleich vom Berüchtigten beantwortet; zum Thema gibt es demnächst aber auch ein ausführliches YouTube-Video mit allem an Informationen, die man in Sachen Ferngläsern braucht - ob zum jagdlichen oder allgemeinen Einsatz. An vielen Stationen und an Beobachtungshütten erläuterte unser "Ranger", was es gerade zu sehen gab, wies uns auch auf Dinge hin, die wir sonst schlichtweg übersehen hätten. Auch eine etwas seltsame Erscheinung wurde erläutert: nämlich eine Villa mittendrin, einfach so im Naturschutzgebiet. Hier laufen noch alte Mietverträge aus, anschließend werden die nur noch wenigen übrigen Häuser nach und nach wieder von der Natur erobert. Die Villa erfreute sich verdächtig hoher Aufmerksamkeit, was nicht zuletzt daran gelegen haben  dürfte, dass der berüchtigte Waidmann zielsicher eine halbnackte Frau an einem Fenster erspähte, daraufhin auch etliche weitere Teilnehmer die Abbildungsschärfe ihrer Gläser dringend kontrollieren mussten. Auf dem Rückweg bildeten sich kleine Grüppchen zum geschwätzigen Rücktraben, die Gespräche rankten sich um alle möglichen Themen - vom Erlebten über aktiven Naturschutz bis hin zu Kapitalverbrechen, also Politik. Wieder zurück am Naturforum gab es noch eine kleine Ausstellung mitzunehmen, während Herr Sprave zwinkernd verriet, dass er neulich von einer Besuchergruppe dazu aufgefordert wurde, doch gefälligst sämtliche Störche aus dem Gebiet zu verbannen, da diese bekanntlich sämtliche anderen Vögel attackierten und auffraßen. Diese Besuchergruppe möchten wir natürlich gerne zum nächsten Jagdkurs einladen; vielleicht lernen sie dort den Unterschied zwischen Störchen und Aaskrähen kennen. Zum Abschluss gab's noch ein paar gewaltige, selbstgebackene Stücke Kuchen im angeschlossenen Auencafé, ehe wir uns wieder auf den Rückmarsch machten.

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Kurz: Ein kleiner Sonntagsausflug bei feinstem Wetter mit vielen alles andere als langweiligen Informationen rund um die mittlerweile fast einmalige Auenlandschaft der Bislicher Insel, zu Pflanzen, Tieren, natürlichen Gegebenheiten und menschlichen Eingriffen. Angenehm portioniert und serviert vom "Ranger" Sprave, der uns mit viel fachlicher Kompetenz und einer sehr angenehmen, rundum sympathischen Wissensvermittlung immer bei der Stange hielt, ohne dabei ein Gefühl wie bei einer wenig unterhaltsamen Museumsführung zu vermitteln. Das frühe Aufstehen hatte sich also tatsächlich gelohnt!