So wird man Jäger

  • Jagdliche Ausbildung

    Jagdliche Ausbildung

    Die jagdliche Ausbildung ist lang und anspruchsvoll. Schließlich soll der angehende Jäger seine Aufgaben ja kompetent und verantwortungsvoll wahrnehmen können.

    Der Weg dorthin ist also nicht mit wenigen Worten zu beschreiben. Hier deshalb nur ein kurzer Einblick in das Abenteuer einer Jungjäger-Ausbildung, gegliedert in zunächst zwei Kapitel:

    • So wird man Jäger oder Jägerin
    • Das grüne Abitur

    Selbstverständlich gibt es hierzu noch eine Vielzahl weiterer Kapitel, Geschichten, lustiger Begebenheiten oder beeindruckender Naturerlebnisse.

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  • Das grüne Abitur

    Das grüne Abitur

    …mehr als reine Formsache – Ein Viertel fällt durch

    Hubertus Grünrock , 45, verheiratet, Angestellter, Naturfreund, blättert fasziniert im rund tausend Seiten umfassenden Standardwerk aller Jägerlehrlinge und springt vom Haarwild über das Federwild zum jagdlichen Brauchtum. Er ist einer der jährlich 11.000 Deutschen, die gerne Jäger werden möchten.

    Ein bis zwei Abende pro Woche fallen bei ihm und den übrigen angehenden Waidmännern und -frauen des Vorbereitungskurses schon jetzt der Jagdleidenschaft zum Opfer. Je nach Bundesland dauert der Kurs sechs bis zwölf Monate. Doch zuerst ist alle Jagd nur blasse Theorie. Gelernt wird anhand von Dias, ausgestopften Tieren (Präparaten), Geweihen und natürlich mit Hilfe der ausführlichen Fachliteratur. Da ein guter Schütze allein noch keinen guten Jäger ausmacht, aber ein guter Jäger unbedingt ein guter Schütze sein muss, geht’s am Wochenende zum Training auf den Schießstand.

    Soviel Einsatz kann sich dann schon mal negativ auf den Haussegen auswirken. Die alten Hasen unter den Ausbildern raten ihren Schützlingen in diesem Fall: “Stellt Euren Lieben daheim für die Zeit der Jägerausbildung am besten ein schönes Bild von Euch hin, damit Ihr nicht in Vergessenheit geratet!”

    Jäger wird nur, wer gleichzeitig ein bisschen Wildbiologe, Naturschützer, Förster, Büchsenmacher, Tierarzt, Hundeführer ja sogar Jurist ist. Besonders die Juristerei ist ein Gebiet, das man nicht sofort mit dem Thema Jagd in Verbindung bringen würde. Aber da gibt es das Jagd-, Waffen-, Bundesartenschutzgesetz und viele Vorschriften mehr, in denen festgelegt ist wer, was, wann und wie erlegen darf. Wenn der Jäger im Dschungel dieser Paragraphen dennoch trifft, schreibt ihm die Fleischhygieneverordnung eindeutig vor, wie er das erlegte Wild behandeln muss, damit es als Wildbret hygienisch einwandfrei die Küche des Feinschmeckers erreicht.

    Der zukünftige Jäger braucht das richtige Feeling für Wild, Wald und Natur. Darum geht es an den Wochenenden immer wieder ins Revier. Draußen ist es nicht damit getan, die Fährte eines Rehs von der eines Wildschweins zu unterscheiden. Die Tiefe des Abdrucks verrät dem erfahrenen Jäger, wie schwer und damit wie alt das vorbeigezogene Tier war. Aus der Vielzahl solcher Beobachtungen kann der Jäger Bestandsdichte und Zusammensetzung der Wildarten im Revier abschätzen. Die Jagdscheinaspiranten lernen außerdem wie man Hecken, Ackerrandstreifen und Wildäcker anlegt, die dem Wild und vielen anderen nichtjagbaren Tierarten neuen Lebensraum bieten sollen.

    Warum die Jägerprüfung auch Grünes Abitur heißt, wird spätestens klar, wenn man sich der umfangreichen schriftlichen und mündlichen Prüfung und der Schießprüfung mit Büchse und Flinte auf Scheibe und Tontauben gestellt hat. Wie beim Abi so ist auch bei der Jägerprüfung im Mai eine Fremdsprache Pflichtfach. In der Jägerfachsprache heißt Mutter Wildschwein Bache, ihr halbstarker Sohn ist ein Überläufer und obwohl alle doch eher bräunlich aussehen, gehört die ganze Sippschaft zum Schwarzwild.

    Leider sind monatelange intensive Vorbereitung, Entbehrung von Freizeit und Familie nicht immer mit Erfolg gekrönt, denn die Durchfallquote liegt bundesweit bei 25%. Bei den meisten haperts beim Schießen.

    Hubertus Grünrock – erfolgreicher Prüfungskandidat – bleibt trotz seines fortgeschrittenen Alters drei Jahre lang Jungjäger. Ein Zeitraum, in dem er von erfahrenen Jägern lernt und in zahlreichen Reviergängen Praxis erlangt. Erst dann ist er berechtigt, ein Jagdrevier zu pachten. Damit erhält er aber nicht nur das Recht zum Erlegen von Wild, sondern gleichzeitig nimmt man ihn in die Pflicht. Denn in den Abschußplänen der unteren Jagdbehörde werden jährlich für bestimmte Wildarten Abschußquoten festgelegt, die erfüllt werden müssen. Als Jäger muß er dafür Sorge tragen, daß keine Wildart überhand nimmt und damit anderen Arten und dem Wald schadet.

    Als geprüfter Jäger gehört Hubertus Grünrock fortan zu den 0,4 % der Bevölkerung (vier Jäger auf 1000 Bundesbürger), denen man vertraut und zutraut, daß sie auf Grund ihres fachlichen Könnens und ihrer inneren Einstellung zur Natur, die Jagd fachgerecht und verantwortungsvoll ausüben. Waidgerecht eben, wie es bei den Waidmännern heißt.

  • So wird man Jäger

    So wird man Jäger

    Wer in Deutschland die Jagd ausüben will, benötigt einen auf seinen Namen lautenden, gültigen Jagdschein. Zuvor muss jedoch die Hürde der Jägerprüfung genommen werden, denn erst nach bestandener Prüfung kann ein Jagdschein gelöst werden.

    Die zuständige Behörde muss allerdings die Erteilung eines Jagdscheins denjenigen versagen, bei denen Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie die erforderliche Zuverlässigkeit oder körperliche Eignung nicht besitzen.

    Alter

    Das Mindestalter für die Jägerprüfung ist 16 Jahre. Personen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, aber noch nicht 18 Jahre alt sind, wird nach bestandener Prüfung der Jugendjagdschein erteilt. Den Vorbereitungslehrgang können Jugendliche im entsprechenden Zeitrahmen schon vor Vollendung des 16. Lebensjahres besuchen, um mit Vollendung des 16. Lebensjahres die Jägerprüfung ab zu legen. Die Prüfung zum Jugendjagdschein erfolgt unter den gleichen Bedingungen, wie die zur Erlangung des normalen Jagdscheines für erwachsene Personen. Der Jugendjagdschein berechtigt nur zur Jagdausübung in Begleitung des Erziehungsberechtigten oder einer von diesem schriftlich beauftragten Aufsichtsperson. Die Begleitperson muss jagdlich erfahren sein. Die Teilnahme des Jugendlichen an einer Gesellschaftsjagd ist nicht erlaubt.

    Ausbildung

    Die Jungjägerausbildung ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. So schreiben einige Bundesländer zusätzlich noch eine praktische Ausbildungszeit vor, die nur bei einem amtlich bestätigten Lehrherren mit geeignetem Revier absolviert werden kann.

    Übersicht: Regelungen für die Jägerprüfung in Deutschland

    Vorbereitungslehrgänge sind in elf Bundesländern vorgeschrieben. Lediglich in Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kann sich der Prüfungskandidat zur Prüfung melden, ohne zuvor einen Ausbildungslehrgang besucht zu haben.

    Vorbereitungslehrgänge

    In der Regel bieten die Kreisjägerschaften Vorbereitungslehrgänge an. Den Kursbeginn nennt die jeweilige Kreisjägerschaft, deren Adresse bei der Kreis-, Stadt- oder Gemeindeverwaltung vorliegt. Öffentliche Bekanntmachungen im Anzeigenteil der lokalen Tageszeitung weisen zusätzlich auf den Lehrgangsbeginn hin.

    Diese Lehrgänge, die an ein bis zwei Abenden pro Woche und an den Wochenenden durchgeführt werden, dauern rund sechs Monate und umfassen mindestens 120 Stunden Theorie und Praxis. Während des Unterrichtes werden alle für die Prüfung wichtigen Fachgebiete von Fachleuten vermittelt. Hinzu kommt die Schießausbildung auf einem Schießstand, um den sicheren Umgang mit der Waffe zu trainieren.

    Ausbildungsinhalte

    Für die Prüfung muss der Jagdscheinanwärter umfassende Kenntnisse in folgenden Sachgebieten in Praxis und Theorie erwerben:

    Wildbiologie, Wildhege, Jagdbetrieb, Wildschadensverhütung, Land- und Waldbau, Waffenrecht, Führung von Jagdhunden, Behandlung des erlegten Wildes unter besonderer Berücksichtigung der Wildbrethygiene, Jagdschutz, Tierschutz, Naturschutz und Landschaftspflege.

    In der praktischen Ausbildung steht der sichere Umgang mit der Jagdwaffe und der Kurzwaffe (Pistole und Revolver) an erster Stelle. Die Schießfertigkeit wird auf einem Schießstand mit Langwaffen (Büchse/Kugel und Flinte/Schrot) und der Kurzwaffe trainiert.

    Durch Reviergänge und Exkursionen werden Kenntnisse der Revierpraxis und der Jagdorganisation vermittelt sowie das Wissen über Flora und Fauna vertieft. Es empfiehlt sich, in kleinen Lerngruppen den Unterrichtsstoff nachzubereiten.

    Gebühren

    Nach der Anmeldung zu einem Vorbereitungslehrgang erhebt die ausbildende Kreisjägerschaft eine Lehrgangsgebühr. Die Anmeldung zur Prüfung – in der Regel zwei Monate vor Prüfungsbeginn – hat bei der Unteren oder Oberen Jagdbehörde zu erfolgen, die eine Prüfungsgebühr erhebt. Der Anmeldung muss für die Zulassung zur Prüfung ein polizeiliches Führungszeugnis beigefügt werden.

    Prüfung

    Die Prüfung gliedert sich in drei Abschnitte:

    – schriftliche Prüfung

    – Schießprüfung

    – mündlich / praktische Prüfung

    Die Jägerprüfung findet in der Regel einmal pro Jahr statt. Aufgrund der hohen Anforderungen wird jeder Prüfling jeweils an einem Tag nur in einem Prüfungsabschnitt geprüft. Somit beträgt der Prüfungszeitraum drei Tage für jeden Prüfungsteilnehmer.

    Bei der Schießprüfung müssen die Jagdscheinanwärter ihre Schießfertigkeit mit der Büchse (Kugel) und der Flinte (Schrot), in manchen Bundesländern auch mit Pistole oder Revolver, sowie den sicheren Umgang mit der Jagdwaffe unter Beweis stellen. Dabei sind Mindestergebnisse festgelegt. Mangelhafte Leistungen in der Schießprüfung können nicht durch gute Leistungen in den anderen Prüfungsteilen ausgeglichen werden.

    In der schriftlichen Prüfung sind Fragen aus den oben genannten Prüfungsfächern je nach Bundesland entweder ausführlich oder im Multiple-Choice-Verfahren zu beantworten. Im mündlichen Teil wird der Prüfungskandidat von einer mehrköpfigen Prüfungskommission in allen Unterrichtsfächern geprüft. Hierbei wird dem Fach Waffenkunde und -handhabung ein hoher Stellenwert beigemessen. Fehlerhafte Handhabung und die Verletzung von Sicherheitsaspekten führen unweigerlich zur Beendigung und nicht Bestehen der Prüfung. Muss die Prüfung wiederholt werden, sind die jeweiligen Prüfungsvorschriften der Bundesländer zu beachten.

    Prüfungskommission

    Die Jägerprüfung ist eine staatliche Prüfung. Der Prüfungskommission müssen daher immer Vertreter der Jagdbehörde angehören. Die Zusammensetzung dieses Gremiums ist in den einzelnen Bundesländern genau festgelegt.