Mit Tontauben fing alles an

Als der junge Frauenarzt Dr. Heinrich Münnekehoff 1903 nach Herne kam, gab es hier wohl schon eine Reihe von Jägern, die aber kaum miteinander Kontakt hatten. Für sie hatte mit der Auflassung der Hasenjagd das Jagdjahr begonnen – um alles andere hätten sie sich wenig gekümmert.


Auf dem Postamt hatten Dr. Münnekehoff und sein Freund Dr. Willi Müller erfahren, dass in ganz Herne nur vier Abonnenten eine Jagdzeitung bezogen. Der Wunsch war groß, mit anderen Jagdfreunden Kontakt zu bekommen. Beide fuhren mit dem Fahrrad zum Hertener Busch, wo es einen Tontauben-Schießstand gab. Bald kamen weitere Herner Jäger dazu. Im “Kaffee Funke” auf der Bahnhofstr. 36, dessen Besitzer Otto Funke ein leidenschaftlicher Anhänger des Waidwerks war, wurde die Anlage eines Herner Tontaubenstandes beschlossen. An der Wiescherstraße wurde ein alter Schießstand gekauft. Damals nannten sie sich noch Schießverein. Neben diesem mehr sportlichen Betrieb traten später die jagdlichen Belange in den Vordergrund. Nach dem ersten Weltkrieg trugen sie den Namen „Herner Jagd- und Schießverein“.
Herr Dr. Schumacher (Zahnarzt von der Schaeferstr. 2) hatte zum 4. Februar 1925 Herren, die sich für die Gründung eines Bezirkvereins Herne innerhalb des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzverein interessierten, ins Hotel Schmitz auf der Bahnhofstraße eingeladen. Zuvor hatte er die vorbereitenden Verhandlungen mit dem Landesverein Westfalen des ADJV in Varlar bei Coesfeld geführt und die Zusage erreicht, dass der in Bildung begriffene Bezirksverein Herne als solcher die Anerkennung des ADJV erhalten sollte. Es wurde einstimmig folgender Vorstand gewählt:

  • Herr Dr. med. Heinrich Münnekehoff, Herne, Heinrichstraße 24, I. Vorsitzender
  • Herr Dr. Schumacher, Herne, Schäferstraße 2, II. Vorsitzender
  • Kaufmann F. Stegmann, Herne, Bismarckstraße 2, Schriftführer
  • Bankdirektor Ernst Schultze, Herne, Heinrichstraße 8, Schatzmeister
  • Kaufmann Otto Funke, Herne, Bahnhofstraße 46, Beisitzer

Die Wahl des Vorstandes war eine vorläufige und bedurfte der Bestätigung einer Generalversammlung. Der Jahresbeitrag war auf RM 25.- festgesetzt, davon waren RM 12.- an den Landesverein abzuführen. Dieser lieferte dafür die Vereinszeitschrift „Deutsches Waidwerk“.
25.01.15 Chronik des Hegerings Herne


Vorbereitende Versammlungen waren am 27. Februar und 13. März 1925 in der Wirtschaft Eduard Lobeck, Neustraße 67 (heute Kleines Theater“).

Die außerordentlichen Generalversammlungen waren am 30. April im Hotel Schmitz und 10. Juli 1925 im Hotel Schlenkhoff. Beschlussfassung: Eintragung des Vereins, Genehmigung der Statuten, Bestätigung des Vorstandes erfolgte einstimmig, Abschluss eines Vertrages mit dem Eigentümer des Schießstandes an der Wiescherstraße.

  • Am 27. Januar 1926 Wiederwahl des Vorstandes. Neuer Schriftführer Herr Heinrich Geck.
  • Am 28. Januar 1927 Wiederwahl des Vorstandes. Neuer Schriftführer Herr Bergrat Dörner.
  • Am 6. Februar 1928 Wiederwahl des Vorstandes. Neuer Schriftführer Herr Stegmann..
  • Am 6. März 1929 Wiederwahl des Vorstandes.
  • Neuer Kassierer Herr Bankdirektor Ernst Ascheuer und neuer Beisitzer Fritz Kürten.
  • Am 7. Februar 1930 Wiederwahl des gesamten Vorstandes.
  • Am 4. Februar 1931 Wiederwahl des Vorstandes. Kassenprüfer Herr Hermann Harig.
  • Am 8. Januar 1934 Neuwahl von Herrn Walter Fehlenberg als Nachfolger von Herrn Harig.

Am 12. Dezember 1934 wurde von 32 erschienenen Mitgliedern im Harmoniezimmer des Hotel Schlenkhoff die Auflösung des Bezirksvereins des ADJV beschlossen, weil neben der „Deutschen Jägerschaft“ keine Jagdvereine mehr erlaubt waren. Ein Barvermögen war nicht vorhanden. Die beiden Vereinsbüchsen wurden Eigentum des Hegering III der Deutschen Jägerschaft im Polizeipräsidialbezirk Bochum.
Tiefpunkt in der Geschichte der Jägerei aber waren die Jahre nach 1945 mit ihren einschränkenden alliierten Bestimmungen, mit dem Verlust der Waffen usw..
Am Dienstag, 20. November 1951 feierte der Hegering im Hotel König auf der Bahnhofstraße einen Hubertustag. Mit dabei waren zwei Frauen, die gerade ihre Jägerprüfung bestanden hatten.
Das neue Jagdgesetz stellte wieder normale Verhältnisse her und brachte die Umwandlung der Hegeringe in selbstständige Kreisvereine.

Mit munterem Jagdhornklang wurde die letzte Versammlung des Hegerings Herne unter seinem Vorsitzenden Dr. Münnekehoff am Mittwoch, 7. Oktober 1953 im Jägerheim Ludger König eröffnet. Es wurde der Kreisverein Herne des Deutschen Jagdverbandes aus der Taufe gehoben. An sich war es jedoch nur eine Umwandlung des alten Hegerings. Einstimmig wurde Dr. Münnekehoff zum ersten Vorsitzenden, Herr Kusemann zum zweiten Vorsitzenden, Walter Fehlenberg zum Schriftführer und Kassierer, Dr. Karl Wittenberg, Herr Kühn und W. Hirdes zu Beisitzern und die Herren P. Veuhoff und Schneider zu Kassenprüfern gewählt.
Mit der Zusammenlegung der damals selbstständigen Städte Herne und Wanne-Eickel 1975 wurde die Kreisjägerschaft Emschergau gegründet mit den beiden Hegeringen Herne und Wanne-Eickel.

 

Text: Hans Wellmann

 

 



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