Jagdblog

  • Fortsetzung: Auf, auf zum fröhlichen Jagen!

    Fortsetzung: Auf, auf zum fröhlichen Jagen!

    Wir sollten auch nicht lange auf den ersten Anblick warten müssen. Aus einem Weihnachtsbaumgatter äugten uns zwei Paar Rehwildlichter an. Beides waren weibliche Stücke - Ricke und Schmalreh. Jetzt war Ruhe bewahren angesagt, nicht dass sie vor Panik in den Zaun springen. Dies war die richtige Entscheidung, die beiden Rehe fanden an der Gatterspitze ein Loch und und verschwanden. Hier vorher auf eine Schussmöglichkeit zu spekulieren wäre sicherdie falsche Entscheidung. In den recht hohen Bäumen sicher das Schmalreh zu identifizieren und im Auge zu behalten ist das eine. Das andere ist, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ricke nach dem Schuss vor Panik in den Draht gesprungen wäre.

    Wir pirschten also weiter, von oberhalb des Wiesentals konnten wir auch schon einen Bock mit Ricke sehen. Ein Sechser, vom ersten Eindruck her passend. Von hier aus pirschte ich alleine weiter, da die Deckung nicht üppig war und das Rehwild nervös zu sein schien. Es zog auch weiter auf die gegenüberliegende Hangseite. Ich konnte mir ein passendes Plätzchen aussuchen, als ich ein Stück Rehwild oberhalb am Hang verschwinden sah. Dies war aber ein weiteres Stück, hinter einige Bäumen erschien dann der ausgesuchte Bock. Der Entfernungsmesser zeigte 145 m an, kein leichtes Unterfangen vom Dreibein, aber die passende Vorbereitung vorausgesetzt sehr gut machbar. Die Entscheidung war gefallen und so standen wir kurze Zeit später vor dem erlegten Sechser. Der prompte Fragendes Jagdnovizen: "Ist die Pirsch nicht viel effizienter?" Die Gedanken waren natürlich verständlich, ich musste dann allerdings auch erklären, dass das eben erlebte auch sofort ein jagdliches Highlight gewesen ist. Eins ist aber sicher, es werden weitere gemeinsame Jagderlebnisse folgen.

    AW

     

  • Auf, auf zum fröhlichen Jagen!

    Auf, auf zum fröhlichen Jagen!

    Mit dem 1. April fängt das neue Jagdjahr offiziell an. Doch ist für viele heimische Jäger der 1. Mai gleichzusetzen mit dem Start der neuen Jagdsaison, denn dies ist der Start der Bockjagd. Natürlich ist Jagd nicht nur das Schießen, es will gerade vor dem 1. Mai viel vorbereitet werden. Doch wird sich kaum jemand davor verschließen können zuzugeben, dass es doch etwas anderes ist, wenn wir mit der Aussicht auf jagdlichen Erfolg ins Revier aufbrechen. Wer etwas anderes behauptet, sollte die Jagdhunde passionierter Jäger beobachten. Viele meinen sie merken, den Unterschied, ob Herrchen die grünen Klamotten anzieht oder nicht. Ich meine sie merken nicht nur das, sondern sie reagieren auch auf unsere unterbewusst gesendeten Signale, die innere Anspannung, das freudige Erwarten was kommen mag. Früher gingen die Böcke am 16.Mai auf, ein Datum, welches sich Rehwildjäger auch damals schon genau merkten. Die Vorverlegung auf den 1. Mai bringt aber seinen eigenen Charme mit. Aufgrund des Feiertages hat fast jeder die Möglichkeit den ersten möglichen Morgenansitz zu nutzen, so er denn aus den Federn kommt. Egal ob der Jagdtag  Erfolg gekrönt gewesen ist, bietet sich die Möglichkeit sich im Anschluss mit gleichgesinnten zu treffen und das erlebte auszutauschen. Haben wir doch lange genug gewartet, um neue Jagdgeschehnisse zu erleben und in Jagdgeschichten zu transferieren. Sicherlich muss noch erwähnt werden, dass auch die Jagd auf Schmalrehe startet, dies sollte im Mai sicherlich nur den erfahrensten Rehwildjägern vorbehalten sein. Ob Bock oder Schmalreh die Jagd im Mai hat etwas reizvolles, aber muss ich auch zugeben, dass der Bock mich doch mehr einnimmt. Dies hat mit der Trophäe zu tun und wieder nicht. Es geht mir an dieser Stelle nicht darum die Trophäe in den Mittelpunkt zu stellen, sondern vielmehr, dass der Umstand der Bockgehörne uns die Möglichkeit gibt, die territorialen Böcke wieder zu erkennen. Somit können wir zwangsläufig mehr über ihr Verhalten lernen, da wir die Individuen leichter auseinander halten können, als es bei den weiblichen Artgenossen der Fall ist. So hat man die Gelegenheit im besten Fall über Jahre das Wild zu beobachten. Wenn ich mein Wild kenne und sauber jage, gewinnt das Waidwerk eine andere Qualität als das alleinige erfüllen gewisser Mindestabschusszahlen.

    So kam auch in diesem Jahr der 1. Mai mit Gewissheit näher. Dieses Mal sollte ich aber Begleitung bekommen. Ein Nichtjagender Freund wollte mich begleiten. Das besondere hierbei, es handelt sich um einen ehemaligen Veganer. Meine erste Begegnung mit dem Begriff Vegan hatte ich bereits vor über 15 Jahren, als ich von der Realschule zum Gymnasium wechselte. Ich 16 Jahre alt, die Jagdscheinprüfung bereits mit 15 abgelegt, sah mich nun zusammen in einer Jahrgangsstufe mit Veganern und Vegetariern. Im Gegensatz zum Veganer von heute, der sich vegan ernährt, weil er so trendy ist, war das ganze damals doch zumindest ehrlicher. Damals trugen meine Mitschüler Tierbefreierpullover und waren gegen die Jagd. Auch wenn ich damals schon nicht verstanden hatte wie ihre Ernährung funktionierte, womit ich nicht meine, dass ich nicht wusste was vegan ist, sondern vielmehr wie dies wirklich konsequent umzusetzen ist, wusste ich wo ich dran war. Die Veganer von heute sind ja eher Vegetarier+ und kaufen wahrscheinlich sogar Bio ein. Und das war wie ich es als Jugendlicher verstanden habe, schon ein Widerspruch in sich, da ja die Kuh für den Mist bereits sozusagen ausgebeutet wurde. Nichts desto trotz hatte ich nun einen Ex-Veganer und Neu-Wildesser an meiner Seite. Der sicherlich den Prozess der Lebensmittelerzeugung eher kritisch hinterfragt als ihn als gesetzt hinzunehmen. Die Ernährungswahl ist bei ihm aber dann zumeist auch eher von den jeweiligen sportlichen Zielen abhängig als ideologisch beeinflusst. Nun trafen wir uns in aller Herrgottsfrühe, um gemeinsam zum Sitz zu gehen. Dieser war von zuhause aus fußläufig zu erreichen. Ein mobiler Erdsitz an einer Streuobstwiese sollte unser Ziel sein. Diese ist nicht gerade ein jagdlicher Hot Spot, konnte ich dort aber zuvor einen meiner Meinung nach passenden  Bock ausmachen. Ich erklärte meinem Begleiter noch, dass es dort schnell gehen müsse, weil der Bock wahrscheinlich sehr nah  beim Sitz rauskommen würde. Da in der Nähe eine vielbefahrene Straße wäre, würde ich auch nicht ins Zweifeln kommen, ob der Bock denn wirklich das Zielalter von 4+ erreicht hätte. Wir saßen eine längere Zeit in unserem Versteck und erlebten den beginnenden Morgen als ein Bock aus dem Bestand austrat, ein kurzer Blick durch das Fernglas genügte um zu sehen, dass dieser gut veranlagte Sechser bei weitem nicht das Zielalter hatte. So ließen wir ihn ziehen. Nach einer gewissen Zeit musste nun Plan B greifen, hatte ich mir doch bewusst eine Stelle ausgesucht, von der wir noch zu einer Waldwiese bzw. zu einem vielversprechenden Wiesental pirschen konnten.

    Wie dieser Morgenansitz zu Ende geht, folgt in Kürze…

     

    AW

  • Nach der Drückjagdsaison ist vor der Drückjagdsaison

    Nach der Drückjagdsaison ist vor der Drückjagdsaison

    Der 1. April, es ist soweit – neues Jagdjahr, neues Glück. Auch wenn im Hegering die meisten von uns der Bockjagd entgegen fiebern, gilt auch: Nach der Drückjagdsaison ist vor der Drückjagdsaison. Das bedeutet nämlich auch, dass dieses Jahr unser letztjähriger Schießnachweis abläuft und wir verpflichtet sind unsere Schießfertigkeit erneut unter Beweis zu stellen, wenn man den an Bewegungsjagden auf Schalenwild teilnehmen will. So ist jeder gut beraten, der dies möglichst zu Anfang macht. Wie schnell ist sowas aufgeschoben, weil die Drückjagden erst im Oktober stattfinden. Doch dann ereilt einem noch vor Oktober der Anruf, wir haben Sauen im Mais, kleinlaut muss man absagen, der Schießnachweis fehlt.

    Glücklicherweise sind wir in einem Hegering organisiert, der vorrausschauend schon im April die Möglichkeit gibt, diesen Nachweis abzulegen. Die ersten 20 Jäger tragen sich Anfang April in lockerer Runde auf dem Schießstand. Wie wichtig ein vertrautes Verhältnis ist, stellt man doch immer wieder fest. Ob man es will oder nicht, es ist für viele eine prüfungsähnliche Situation. Die drei Schuss sitzend aufgelegt, kriegt jeder ohne Probleme hin. Beim stehende freihändigen Anschlag, erschrecken die meisten schon, dass es doch etwas wackliger ist. Hier hilft der einfache Trick, nicht die 10 treffen zu wollen, sondern sich bewusst zu machen, wie groß die „8“ ist. Landen alle drei Schuss in diesem Bereich, dienen die drei auf den „Laufenden“ nur noch der Ergebniskosmetik. Am Ende konnten alle Schützen den Schießnachweis erfolgreich bestehen. Einige nutzten noch die Gelegenheit für einen Kontrollschuss auf der 100 m-Bahn. Die Bockjagd startet doch bald. Es blieb auch noch die Zeit ein wenig zu klönen. Themen waren der Vortrag der Kreisjagdversammlung über die Lenkbarkeit von Rotwild vom Vortag. Aber auch die gesetzlichen Einschränkungen für halbautomatische Jagdwaffen mit Magazin, der Pflichtlehrgang für die Fangjagdausüber, bleifreie Munition und vieles mehr. Die Diskussionen sind hier äußerst kontrovers, es wird sicher nicht alles verteufelt, aber sicher kritisch hinterfragt. Um beim Schießnachweis zu bleiben, ist es sicher positiv, dass ein oder andere Gesicht auf dem Schießstand zu sehen, welches man in der Vergangenheit vermisst hat. Für die Hegeringe ist dies auch eine Chance. Durch das organisieren dieser Termine, kommen zwangsläufig mehr Kontakte im Hegeringumfeld zustande und es sind nicht immer die gleichen Gesichter wie auf den anderen Veranstaltungen. Für den Schießobmann ist es auch die Gelegenheit den ein oder anderen anzusprechen, auch weitere Schießtermine wahrzunehmen. Neben den Meisterschaften gibt es ja auch noch z.B. die Schießfahrt nach Buke. Denn eins sollte jedem Bewusstsein, unsere Gewehre sind bei der Jagd die entscheidenden Werkzeuge. Wir müssen zu jeder Zeit von der Funktionstüchtigkeit überzeugt sein und das Selbstvertrauen durch regelmäßiges Training führt zwangsläufig zum jagdlichen Erfolg. Wir müssen zwar nicht für Olympia trainieren, aber der einmalige Schießstandbesuch wird unseren Ansprüchen sicherlich auch nicht gerecht. So hat der jährliche Schießnachweis sicher auch was gutes, dennoch ist nicht zufriedenstellend, dass es bisher keine bundeseinheitliche Regelung gibt. Der Wechsel vom Leistungs- zum Übungsnachweis würde ebenfalls etwas Anspannung rausnehmen und mehr Akzeptanz bei den Teilnehmern schaffen. Nichts desto trotz können die ersten 20 Jäger im Hegering beruhigt der Drückjagdsaison entgegen blicken und ich bin mir sicher, dass der ein oder andere nicht das letzte Mal in diesem Jagdjahr den Schießstand aus der Nähe betrachtet hat. Wobei die Möglichkeiten zu trainieren eher weniger als mehr werden. Doch dies ist eine andere Geschichte.

     

    AW