Jägerinnen im Landesjagdverband NRW

Immer mehr Frauen entscheiden sich für das „grüne Abitur“ – aber was sind die Gründe und wie ist sie so die „Durchschnittsjägerin“? Genau diesen Fragen sind wir anlässlich des Weltfrauentages nachgegangen.

 

Jägerin und Hund - Bild von Ütje Hachmann

Im Landesjagdverband NRW gibt es rund 6.730 Jägerinnen, das entspricht ca. 10% der gesamten Jägerschaft im LJV. Damit liegt Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu den anderen Bundesländern vorne, im Schnitt gibt es derzeit bundesweit 7%.Jägerinnen.[1]

 

[1] Daten der DJV Mitgliederbefragung aus dem Jahr 2016


Fakten zu unseren Jägerinnen

Aber wie kommt es zu dem großen Zuspruch unter der weiblichen Bevölkerung? Gisela Matten, Sprecherin der Frauen im Landesjagdverband meint: „Es ist einmal die Liebe zur Natur, und die Arbeit mit dem Hund. Frauen lieben auch den Umgang mit Kindern und können über Lernort Natur einen großen Beitrag zum Umweltbewusstsein leisten. Außerdem beschäftigen sich viele Frauen immer mehr mit gesunder Ernährung, durch das Erlegen und die anschließende Verwertung von Wildbret ist das in großem Rahmen möglich.“.

Fest steht, immer mehr Frauen und Männer fühlen sich zur Natur hingezogen. Das bestätigt auch eine Umfrage des DJV. Demnach ist für über 85% der Befragten, in der Natur zu sein, Grund für den Jagdschein. Darauf folgen bei Frauen und Männern aktiver Naturschutz und Freude an der Jagd für ¾ der Befragten auf Platz 2 und 3. Dann kommt er, der feine Unterschied zwischen Frauen und Männern: Rund 62% der Frauen gaben auf Platz vier die Hundeausbildung als Motiv für die Jagd an, während die angehenden männlichen Jäger sich aufgrund des Verzehres von Wildbret für die Jagd interessierten (57 Prozent). [1]
 

 

[1] Daten aus Befragung DJV und Institut für Rechtspsychologie der Universität Bremen (IRP) aus dem Jahr 2011


Die Hundeausbildung – macht den Unterschied der Geschlechter bei den Gründen für einen Jagdschein. Bild Michael Schlenther

Ob Hund oder nicht, ist nicht zuletzt eine Frage des privaten Umfeldes und der beruflichen Gebundenheit. Eine DJV-Umfrage zeigt, dass Rund 63%[1] der Jägerhaushalte in Deutschland einen oder mehrere Jagdhunde halten. Egal ob Jägerin oder Jäger, die Jagd macht mit dem vierbeinigen Gefährten einfach mehr Freude. Das bestätigt auch Gisela Matten selbst Führerin einer 7-jährigen Griffon Hündin. „Der Hund ist mir nicht nur ein treuer Jagdbegleiter, er gehört mit zur Familie. Bei mir sind Jagd und Jagdhund eng miteinander verbunden. Wir müssen bei Wind und Wetter raus in die Natur, bei schlechter Laune tröstet er mich, er bewacht unser Haus und hat mir große Dienste geleistet bei der Erziehung unseres Sohnes in Sachen Umgang mit Tieren allgemein.“
 

 

[1] Daten der DJV Mitgliederbefragung aus dem Jahr 2016

 

Die durchschnittliche Jägerin in NRW ist 47,5 Jahre alt. Aber auch immer mehr jüngere Frauen zieht es zur Jagd. Das gilt auch für Yvonne Schulz, Obfrau für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kreisjägerschaft Unna. Sie kam schon in ihrer Kindheit durch Ihren Onkel mit der Jagd und Hundearbeit in Berührung. „Mit 16 hat er mich dann immer zur Ausbildung gefahren,“ berichtet Yvonne uns. Bei der Frage nach ihrem Hauptmotivationsgrund, sagt sie „Ganz klassisch: der Jagdhund. Mein Onkel hatte einen tollen kleinen Münsterländer und ich habe immer die Verbindung zwischen Führer und Hund bei der Jagd bewundert. Was diese Tiere für uns leisten, ist bemerkenswert. Das wollte ich später unbedingt auch erfahren.“ Und genau so ist es dann gekommen, Yvonne ist heute Führerin der kleinen Münsterländerhündin Cleo. 


Selfie bei der Jagd - Yvonne Schulz mit ihrer Hündin Cleo

Jan-Eike Kersting, Leiter des Jagscheinkurses der Kreisjägerschaft Unna, bestätigt uns einen Zuwachs an Frauen. Ob es einen Unterschied gibt zwischen weiblichen und männlichen Jagdscheinanwärtern beantwortet er wie folgt.
„Einen Unterschied in der Lernweise sehe ich darin, dass die Frauen im Allgemeinen etwas akribischer beim Lernen sind und die männlichen Teilnehmer dann anspornen können. Beim Schießen ist es dann eher eine Frage der körperlichen Statur und Anatomie, gerade beim Flintenschießen. Allgemein lässt sich aber sagen, dass Frauen im Lehrgang auch die Atmosphäre heben und eine angenehme Lernumgebung entsteht.“ Aber auch bei den Themenbereichen im Kurs kann Jan-Eike Kersting feine Unterschiede erkennen. „Bei den Interessensgebieten kommt es immer auf den einzelnen Typ an, aber Männer sind häufiger technisch orientierter,
z. B. bei Waffenkunde - Funktionsprinzipien von Waffenschlössern etc. - oder bei Jagdbetrieb - Funktion von Fallen. Bei Frauen können wir stärkerer Neigungen bei Wildtierkunde und beim Hundewesen erkennen. Bei medizinischen Berufen kommt dann der Bereich Wildkrankheiten hinzu.“ 


Drei Jägerinnen mit ihren Hunden vor dem jagdlichen Einsatz - Foto von Manuela Ziegenhirt

Im Präsidium ist Franz Josef Schulze Thier für die Jägerinnen im LJV NRW zuständig, er freut sich über den regen Zuwachs weiblicher Jägerinnen und weiß zu berichten „In der Regel sind auch bei der Jagd Frauen sensibler und sehr gewissenhaft.“ Durch Ihre Eigenschaften werden Frauen laut Schulze Thier zu einem „Stabilisierungs- und Kultivierungsfaktor für die Jagd.“ Sein Fazit: „So gesehen ist die prozentuale Zunahme der Jägerinnen in unseren Reihen, als eine Bereicherung für die Jagdkultur und eine gewissenhafte Jagdausübung zu sehen.“

Viele Stimmen zu und vor allem für unsere Jägerinnen wurden eingefangen, aber die „Durchschnittsjägerin“ haben wir nicht gefunden. Was Frauen und Männer offensichtlich verbindet, ist die große Begeisterung für die Jagd und Natur. Das lässt auch für die Zukunft auf einen weiteren Zuwachs an Jägerinnen und Jägern hoffen.