Selbstgenügsamkeit war ihm so fremd wie Jammerei

Zum Tode von Constantin Freiherr Heereman

 

Mit Land und Leuten trauert der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen um seinen Ehrenpräsidenten Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, der im 86. Lebensjahr in der Nacht zum 26. Juli 2017 auf Schloss Surenburg in Hörstel-Riesenbeck (Kreis Steinfurt) verstorben ist. Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes, sagte zum Tode seines Vorvorgängers: „Baron Heereman wird als führungsstarker und charismatischer Verbandschef und Politiker in Erinnerung bleiben. Er hat Zeit seines Wirkens über Jahrzehnte in einer zunehmend verstädterten Umwelt dafür gesorgt, dass der ländliche Raum und die hier lebenden Menschen von der Politik beachtet werden und ein großer Teil des Landes trotz erheblichem Strukturwandel seine Identität bewahren konnte.“ 

Portrait Baron Heereman

Constantin Freiherr Heereman, geboren am 17. Dezember 1931, gestorben am 26. Juli 2017 auf Schloss Surenburg im nördlichen Münsterland. Er stand von 1976 bis 2004 an der Spitze des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen und hat dessen Verbandsgeschichte geprägt.

Heereman stand von 1976 bis 2004 an der Spitze des Landesjagdverbands. Er hat Gegensätze überwunden, Einigkeit gestiftet und Zusammenhalt gepflegt, mit Sachverstand und Erfahrung, mit Witz und Pfiff das politische und gesellschaftliche Leben geprägt. Der Landesjagdverband wird dieser herausragenden Gestalt seiner Verbandsgeschichte und dem hochpassionierten Jäger stets ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

Bis ins hohe Alter ein unverwüstlicher Brückenbauer

 

Die Gesundheit hatte den bis ins hohe Alter unverwüstlichen Baron aus dem Münsterland seit ein paar Jahren etwas im Stich gelassen. Nach Krankheitsschlägen nahm er Flinte und Büchse nicht mehr aus dem Waffenschrank. Aber ohne Wehklagen verfolgte er bis zuletzt den Lauf der Dinge von seinem Betrieb über die Gemeinde bis in die weite Welt. So hatte er es stets gehalten, die örtliche Bindung nie verloren, selbst als ihn Politik und Verbände in hohe Aufgaben und Ämter führten.

 

Am 10. Juni kam er noch zum Landesjägertag in Gütersloh, ebenso Ende Januar nach Düsseldorf zum parlamentarischen Jägerabend, den er einst erfunden hatte. Seinen 85. Geburtstag feierte er am 17. Dezember vergangenen Jahres mit 150 Weggefährten. Welches Talent der Freund der klaren Aussprache auch als Brückenbauer hatte, war hier noch einmal zu besichtigen. Die Festrede hielt zur nicht schlechten Verblüffung der illustren Feiergemeinde Bärbel Höhn, die jetzt aus dem Bundestag scheidende frühere NRW-Umweltministerin der Grünen, von denen der CDU-Politiker Heereman selten zu knapp annahm, bei ihnen piepe es nicht nur in Wald und Feld. Zu seinem Siebzigsten im Jahr 2001 gratulierte mit dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ein ranghoher SPD-Mann persönlich auf der Surenburg. Wichtiger als allen Parteien war Heereman „der Charakter und nicht, welches Gebet- oder Parteibuch jemand hat“, wie er bei seiner letzten Geburtstagsfeier sagte. Allerdings fand er, niemand solle ohne Bekenntnis sein; die Lauen entsprachen nicht Heeremans Geschmack.

 

Mit dem Charme westfälischer Grandezza

 

Selten war jemand so viel Präsident wie er. Mehr als drei Jahrzehnte führte er seit Mitte der 1960er Jahre ländliche Verbände. Mit dem Charme westfälischer Grandezza war er alles andere als ein Ritter von der traurigen Gestalt und schritt das gesellschaftliche Parkett von der Wirtschaft über den Sport bis zu den Medien und dem Karneval souverän und unermüdlich ab. Stets vor Weihnachten bat er Journalisten zum Kamingespräch. In gediegener Gastlichkeit bei Grünkohl, Bier und Korn erklärte Heereman wortmächtig und schlagfertig die Lage an der grünen Front und pflegte die zwischenmenschlichen Kontakte.

 

Geboren am 17. Dezember 1931 in Münster/Westfalen übernahm er nach Beendigung der landwirtschaftlichen Ausbildung die Verwaltung des Familienbesitzes. Der Vater von fünf Kindern und mehrfache Großvater begann 1958 sein Engagement im Bauernverband. 1968 zum Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes gewählt, wurde er ein Jahr später im Alter von 38 Jahren auch Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Beide Ämter hatte er bis 1997 inne.

 

Von 1976 bis 2004 führte er den Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen. Ein Jahr zuvor hatte er das Amt des Präsidenten des Deutschen Jagdschutzverbandes abgegeben. Jagdpolitisch vertrat er stets und erfolgreich den Grundsatz, dass mit Überzeugung oft mehr zu erreichen ist als mit Zwang.

 

Viele Jahre gehörte er dem Rat seiner Gemeinde an und vertrat von 1983 bis 1990 den Wahlkreis Steinfurt II als direkt gewählter Abgeordneter der CDU im Deutschen Bundestag. Heereman ist für seine Verdienste hoch dekoriert worden. So war er Träger des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen und der höchsten Auszeichnungen aller Verbände, denen er diente.

 

Post tenebras spero lucem

 

Sein Name klang nicht von Anfang wie ein Markenartikel. Als Constantin Bonifatius Hermann Josef Aloysius Maria Freiherr Heereman von Zuydtwyck, siebter Herr auf Schloss Surenburg, zum deutschen Bauernpräsidenten gewählt worden war, schrieb eine überregionale Zeitung, ein gewisser „Hermann Zwickwick“ sei es geworden. Nicht jeder, der so gestartet ist, hat es zu einer prägnanten Präsidentenlegende gebracht.

 

Selbstgenügsamkeit war ihm so fremd wie Jammerei. „Niemals den Kopf hängen lassen und immer sehen, dass es weitergeht“, hatte er noch zur Vollendung seines 85. Lebensjahres gesagt. „Post tenebras spero lucem“, lautet der Wahlspruch seines Hauses. Das Licht nach der Dunkelheit erhoffte der katholische Christ Constantin Freiherr Heereman vor allem in jener unbegrenzten Ewigkeit, deren Frieden er vertraute und in dem er nun ruhen möge. Jagd vorbei und Halali.