Landesjagdverband rügt journalistischen Fehltritt mit Ansage in der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ vom 7. Juni

11. Juni 2015, Dortmund (LJV). Der Landesjagdverband NRW (LJV) bestätigt, eine Interviewanfrage der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ abgelehnt zu haben. Die Gründe dafür wurden der Redaktion erläutert. Das Abschreiben des LJV kann hier am Seitenende eingesehen werden.

 

Wie richtig diese Ablehnung war, mussten Zuschauer der Sendung am vergangenen Sonntag, den 7. Juni, bei der Ausstrahlung des fertigen Beitrages über die Novellierung des Landesjagdgesetzes selbst mitansehen.

 

Der Beitrag war an Tendenziösität kaum zu überbieten und wäre auch durch ein Interview mit einem LJV-Vertreter nicht besser geworden, da die verantwortliche Autorin schon in der Vergangenheit bewiesen hat, wie sie manipulativ Interviews zusammenschneiden kann.

 

Bereits frühere Beiträge der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ und besagter Autorin über die Jagd waren mehrfach Anlass für massive Kritik des Landesjagdverbandes (auch diese Kritik ist auf dieser Seite als Anlage hinterlegt).

 

Falsch oder manipulativ sind im aktuellen Beitrag insbesondere folgende Darstellungen:

 

  • Falsch ist schon in der Anmoderation die Aussage „Die Politik setzt in Zukunft auf die Kastration wildlebender Katzen statt Abschuss.“
    Richtig ist, dass die NRW-Landesregierung bisher rein gar nichts unternommen hat, um mildere Maßnahmen zum Schutz wildlebender Tiere wie, Kastrations-, Chip- und Registrierungspflicht für Katzen einzuführen. Richtig ist weiterhin, dass diese drei milderen Maßnahmen Forderungen der Jägerschaft sind, zu deren Umsetzung der Landesregierung offenbar der Wille, die Kraft oder die Kompetenz fehlt.

 

  • Frau Grochowiak-Schmieding MdL als einfache Jägerin darzustellen, die aus Protest gegenüber der LJV-Politik den Landesjagdverband verlassen hat, ist schon ein starkes Stück. Frau Grochowiak-Schmieding war vielmehr maßgeblich im gesamten politischen Prozess der Grünen eingebunden und es ist offenkundig, dass ihr das parteigrüne Hemd näher ist als die jagdgrüne Jacke. So ist auch der Verbandsaustritt von Frau Grochowiak-Schmieding, der zum 1.1.2016 wirksam wird, als letzte Verzweiflungstat grüner Parteiräson zu sehen. Frau Grochowiak-Schmieding hatte den öffentlichen Ausritt minutiös für den 18. März 2015 vorbereitet und vorab schon die Medien informiert. Die 15 000 Demonstranten des 18. März haben den Austritt von Frau Grochowiak-Schmieding jedoch keinesfalls bedauert, sondern mit großem Applaus begrüßt. Noch frenetischer war der Applaus für LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg, der den Austritt mit den Worten „Wer solch ein Jagdgesetz vertritt, gehört auch nicht in unseren Verband!“ quittierte.
  • Den Terminus „Jägerlobby“ zu verwenden, spricht, wenn man es wohlwollend auslegt, für eine mangelnde Sprachkompetenz der Autorin. Schließlich sind bisher immerhin über 30 000 Jäger, Landwirte und Waldbauern, Grundeigentümer, Fischer, Imker und viele andere Naturfreunde gemeinsam auf die Straße gegangen und haben gegen dieses ideologische Jagdgesetz protestiert, weil sie bei der derzeit herrschenden Landesregierung eben genau keine Lobby haben.
  • Sachlich falsch ist die Darstellung in dem Beitrag, Jäger hätten fast alle Reformpunkte kategorisch abgelehnt und gemauert.
    Richtig ist hingegen, dass seit Beginn des Bundesjagdgesetzes im Jahr 1953 und wenig später des Landesjagdgesetzes die Jägerschaft die insgesamt über 40 Gesetzesnovellen auf Bundes- und Landesebene immer mitgetragen hat, sofern es sich um sachlich-fachlich begründete Verbesserungen gehandelt hat. Bei den über 100 Neuregelungen des neuen Jagdgesetzes fehlt aber über weite Strecken diese sachlich-fachliche Begründung, was in einer 107 Seiten umfassenden Stellungnahme des Landesjagdverbandes dargelegt wurde. Diese detaillierte und umfassende Kritik spitz sich allerdings in genau 13 „No-Gos“ zusammen, bei denen die Jägerschaft tatsächlich keinen Verhandlungsspielraum sieht. Ebenso richtig ist, dass die rot-grüne Landesregierung selbst bei diesen 13 Punkten sich absolut unbeweglich zeigte, krampfhaft an ihren Verschlimmbesserungen festhielt und nur durch massiven öffentlichen Protest zu einigen die Jäger und die Gesellschaft keineswegs zufriedenstellenden Zugeständnissen bewegt werden konnte. Nicht die Jäger, sondern die rot-grüne Landesregierung, insbesondere die Grünen, haben sich also absolut unbeweglich und beratungsresistent gezeigt.
  • Beleidigend und stillos ist die Bezeichnung der Jägerschaft durch die Autorin als „Subkultur in der Gesellschaft“ gerade auch, weil diese Formulierung äußerst geschickt in den Beitrag eingebettet wurde, um presserechtliche Schritte gegen die Redaktion und die Autorin auszuschließen.
  • Falsch ist ebenso die Unterstellung, „viele Bürger“ würden die Jägerschaft so sehen.
    Richtig ist vielmehr, dass zahlreiche unabhängige Meinungsumfragen eine ausgesprochen hohe Akzeptanz der Jagd und der Jäger innerhalb der Bevölkerung belegen.
  • Falsch ist die Behauptung in besagtem Beitrag, die revierübergreifende Fuchsjagd in Euskirchen im Winter 2014/15 sei abgeblasen worden. Richtig ist, dass diese Jagd wie geplant stattgefunden hat. Lediglich auf das gemeinsame Streckelegen wurde verzichtet, um Übergriffe durch militante Jagdgegner zu vermeiden.

    Die Jagd war übrigens auch mit dem Veterinäramt Euskirchen abgestimmt, welches aufgrund des ministeriellen Erlasses vom 6. März 2009 alljährlich ein festes Kontingent toter Füchse zur veterinärmedizinischen Untersuchung im Rahmen der Tollwutüberwachung bereitstellen muss und dazu gerne und in den Vorjahren regelmäßig auf die Strecke dieser revierübergreifenden Fuchsjagden zurückgegriffen hat.
  • Falsch ist die Vorstellung einer vermeintlichen „Fütterung“ durch einen „ehemaligen Jagdaufseher“. Dabei handelt es sich augenscheinlich um eine Kirrung. Solche Kirrungen (Lockstellen mit Kleinstmengen von Mais oder Getreide) sind auch nach neuem NRW-Jagdrecht ausdrücklich erlaubt, weil sie der effizienten und tierschutzkonformen Wildschweinbejagung dienen. Die aus dieser falschen Darstellung in dem WDR-Beitrag konstruierte Herleitung von Fütterungsexzessen fällt somit wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

    In vielerlei Hinsicht bedenklich ist zudem die Behauptung dieses „ehemaligen Jagdaufsehers“, der im Beitrag namentlich genannt wird, er habe erlebt, wie an besagter Kirrung führende Bachen erlegt wurden und in der Folge die Frischlinge nahe der Kirrung verendet seien. Hier wird eine Straftat nach §38 BJG beschrieben, die auch den Jagdscheinentzug nach sich ziehen kann. Wenn es eine solche Straftat tatsächlich gegeben hat oder gar mehrere, wäre die Frage äußerst interessant, ob und inwieweit die zu Wort kommende Person an der Aufklärung einer solchen Straftat beteiligt war bzw. inwieweit sie zur Vertuschung beigetragen hat.

 

  • Das Aufsuchen dieser Kirrung durch besagten „ehemaligen Jagdaufseher“, einen Tierschützer sowie das TV-Team ist übrigens auch ein gutes Beispiel für die vielen Verschlechterungen durch die rot-grüne Gesetzesinitiative. Durch die Gesetzesänderung ist nun erstmals das Betreten von Kirrungen nach Waldbetretungsrecht erlaubt, was selbsternannten Blockwarten Tür und Tor öffnet. Wie sollen Jäger den notwendigen Jagderfolg zur Wildschadensprävention noch erzielen, wenn zuvor Spitzel alles verstänkert haben?

    Auch davor hatten der Landesjagdverband und seine Partnerverbände gewarnt und auch diese Warnung wurde von der Landesregierung ignoriert.

 

Ungeachtet dieser aktuellen und seltenen journalistischen Entgleisung einer einzelnen Sendung ruft der Landesjagdverband seine Mitglieder auf, auch weiterhin aktiv die Öffentlichkeit und die Medien über das eigene Tun zu informieren. Dazu läuft derzeit die Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“, bei der interessierte Nichtjäger die Jagd live erleben können, indem sie Jäger in ihren Revieren begleiten. Infos zu dieser Aktion des Deutschen Jagdverbandes und des dlv-Verlages gibt es hier: https://www.jagdverband.de/content/gemeinsam-jagd-erleben.

 

 

Herunterladen: 140812 Tiere suchen ein Zuhause / Kritik 2014

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