Expertenwissen gegen Ideologie und Pharisäertum

Öffentlichkeit ehrlich informieren, nicht irreführen!

 

26. Juni 2014, Dortmund (LJV). Aus gegebenem Anlass mahnt der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen, in der aktuellen Diskussion um die Novellierung des Landesjagdgesetzes bei den Tatsachen zu bleiben. „Mit der aktuell vorgestellten Resolution katapultieren sich die unterzeichnenden Verbände selbst aus dem Kreis der seriösen Gesprächspartner bei der Diskussion um ein neues Jagdrecht in NRW“, sagt Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen.

Nabu Fallenjagd Betonrohr

Schon im Titel Etikettenschwindel

Betrachtet man die Liste der unterzeichnenden Verbände, so fällt auf, dass einige davon ausweislich ihrer bisherigen Kampagnen nicht die Reform, sondern die Abschaffung der Jagd als Ziel haben. Schon in der Überschrift der Resolution „Jagdreform jetzt“ wird also Etikettenschwindel betrieben, denn es geht den Autoren nicht um die Reform, sondern um die Abschaffung der Jagd!

 

Da über die Notwendigkeit und den Fortbestand der Jagd aber politischer und gesellschaftlicher Konsens besteht, können die erhobenen Forderungen der Jagdgegner nicht ernsthaft Gegenstand gesetzgeberischer Überlegungen sein.

 

Falsche Darstellung auch im Vorspann

Bereits im Vorspann wird behauptet, das Jagdgesetz stamme aus dem Jahre 1934 und sei seither kaum geändert worden. Richtig ist hingegen, dass das Bundesjagdgesetz aus dem Jahre 1953 stammt, seitdem mehr als 20-mal geändert wurde, letztmals im Dezember 2013. Gleiches gilt für das Landesjagdgesetz, welches letztmals im April 2014 novelliert wurde. Aktueller geht´s wirklich nicht.

 

NABU spielt falsches Spiel

Pharisäerhafte Züge hat die Forderung nach einem Fallenverbot, denn gerade der NABU führt nachweislich (s. anhängendes Bild) die Fallenjagd, die durchaus tierschutzgerecht und schon heute gesetzlich genau normiert und reguliert ist, auf einigen seiner Flächen selbst aus. Dies macht auch Sinn, denn auf einem im Jahr 2011 durchgeführten Bodenbrüter-Symposium in Arnsberg-Neheim haben zahlreiche praktizierende Naturschützer unisono erklärt, dass zum Beispiel ein Schutz und Erhalt der stark vom Aussterben bedrohten Bodenbrüter ohne eine intensive Fallenjagd nicht möglich sei.

 

Fütterung in Notzeiten muss möglich bleiben

Mit der Forderung nach einem allgemeinen Fütterungsverbot treten besagte Verbände selbst den Tierschutz mit Füßen, denn das Füttern ist heute schon nur im engsten gesetzlichen Rahmen in Notzeiten als Erhaltungsfütterung erlaubt. Es verstößt gegen die jagdethischen Grundsätze und wird einer sensibilisierten Öffentlichkeit nicht vermittelbar sein, wenn Jäger in Notzeiten, also zum Beispiel nach Hochwasser, Waldbränden oder in extremen Winterlagen, das Wild verhungern lassen müssen, weil ihnen gesetzlich die Hände gebunden werden. Mit ebendieser Forderung verlieren gerade die Tierschutzverbände jede Glaubwürdigkeit bezüglich ihrer selbst angemaßten Kernkompetenz.

 

Keine Behinderung durch Kirrverbot bei der Wildschweinbejagung

Unter Kirren versteht man das Anlocken von Wildschweinen mit kleinsten Getreidemengen, um diese gerade auch tierschutzgerecht, selektiv und effizient erlegen zu können. Eine intensive Wildschweinbejagung ist aus Gründen der Wildschadenverhütung und der Tierseuchenprävention unumgänglich. Angesichts der von Osteuropa schon bis Polen vorgerückten Afrikanischen Schweinepest, auch für Deutschland besteht bereits eine Warnmeldung, ist eine intensive Wildschweinbejagung unabdingbar und wird von den Jägern gefordert. Im Fall eines Schweinepestausbruchs beliefe sich in NRW der volkswirtschaftliche Schaden auf mehrere Milliarden Euro! Mit ihrer Forderung setzen die Jagdgegner unter anderem also grob fahrlässig viele bäuerliche Existenzen in NRW aufs Spiel.

 

„Die Forderung, die Wildschweinbejagung auf diese Weise zu erschweren, ist volkswirtschaftlich schlichtweg verantwortungslos. Was das mit Tierschutz zu tun haben soll, müssen die Tierschützer gerade auch angesichts der Bilder wegen Schweinepest gekeulter Hausschweinbestände einmal erklären“, fordert Ralph Müller-Schallenberg.

 

Jäger fordern gesellschaftliche Diskussion über das Katzenproblem

Naturliebhaber und praktizierende Naturschützer wissen auch schon längst, was die Tier- und Naturschutzideologen in der vorgestellten Resolution erneut ignorieren beziehungsweise bewusst verschweigen: Unsere Natur hat ein ungelöstes Katzenproblem. Das bekräftigt die Universität für Bodenkunde Wien, Department für Integrative Biologie und Biodiversitätsforschung, durch ein aktuelles Gutachten mit dem Titel „Einfluss von Hauskatzen auf die heimische Fauna und mögliche Managementmaßnahmen“.

 

Ausweislich des Gutachtens, das auch im Internet unter http://www.dib.boku.ac.at/iwj/aktuelles-news/publikationen/ eingesehen werden kann, gibt es viele Hinweise darauf, dass Katzen unter bestimmten Bedingungen zumindest lokal zum Rückgang oder sogar Aussterben einer Art führen können. Gleichzeitig bietet das Gutachten Lösungsansätze, wie sie auch vom LJV vorgeschlagen werden. Kastrationspflicht, Registrierungs- und Chippflicht sowie die Einführung einer Katzensteuer sind einige davon.

 

Hinzu kommt, dass die Forderung der Jagdgegner internationalen Konventionen exorbitant widerspricht. Als Vertragspartner hat Deutschland bereits im Jahr 1972 die Berner Konvention unterzeichnet, in der in Kapitel V; Artikel 1, 2 b geschrieben steht, dass „die Ansiedlung nicht heimischer Arten streng zu überwachen und zu

begrenzen“ ist. Die freie Ausbreitung der Hauskatze (Felis catus) in der freien Landschaft stellt einen Verstoß gegen die Berner Konvention dar.

 

Auch aus Gründen des Artenschutzes muss einer Hybridisierung von Haus- und Wildkatzen entgegengewirkt werden!

 

 

Tierschutzgerechte Hundeausbildung ist beizubehalten

Müller-Schallenberg fordert die Jagdgegner auf, auch beim Thema Hundeausbildung bei der Wahrheit zu bleiben. So seien die in der Resolution beschriebenen Methoden zur Hundeausbildung, wie Ausreißen von Schwungfedern, schon heute verboten und würden auch nicht angewandt. Stattdessen habe der Tierschutz bei der Hundeausbildung längs oberste Priorität und unterstehe einer ständigen verbandsinternen Kontrolle und Dokumentation. Auch die Mitglieder des für die Jagd zuständigen Landtagsausschusses (A17), denen alle in NRW praktizierten Hundeausbildungsformen an lebenden Tieren persönlich vorgeführt wurden, haben daran bis heute nichts zu beanstanden.

 

Baujagd in NRW unentbehrlich

Gerade aus Gründen des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes ist die Baujagd in NRW alternativlos. Kaninchen- und Fuchsbestände können so unter Einsatz von Frettchen bzw. kleinen Hunderassen effizient und tierschutzkonform bejagt und reguliert werden.

 

Schon alleine rechtlich ist die Forderung der Jagdgegner unreflektiert und unhaltbar. Zum Beispiel ist am Rhein der Deichschutz zum Erhalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung das oberste Rechtsgut. Der Schutz der in Flussnähe wohnenden Menschen und ihres Hab und Gutes hat absoluten Vorrang vor den Belangen der Jagd sowie des Natur- und Tierschutzes.

 

Die Jagd trägt hier mit der Baujagd zum Erhalt der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bei. Jagdgegner gefährden hingegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung, wenn sie fordern, die Baujagd zu verbieten.

 

Gewissensentscheid ja, Ideologie nein

Mit Einführung des § 6a Bundesjagdgesetz im Dezember 2013 wurde jedem Grundeigentümer, der Mitglied einer Jagdgenossenschaft ist, das Recht eingeräumt, aus Gewissensgründen die Befriedung der Jagd auf seinem Grundstück zu beantragen. Damit wurde einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte Rechnung getragen. Juristische Personen sind hingegen nicht gewissensfähig. Der Bundesgesetzgeber hat somit genau das Begehren der jetzt laut werdenden Verbände unterbinden wollen, um ein Ausscheren aus der Solidargemeinschaft der Grundeigentümer zu verhindern, denn für jeden erkennbar ist deren Motiv rein ideologischer Art und hat mit dem Gewissen nichts zu tun.

 

Schlicht naiv ist die Behauptung, die Jagd sei nicht geeignet, Wildbestände zu regulieren. Gerade nachdem die jüngste Schweinepestepidemie im Jahr 2009 durch eine Kombination von intensiver Bejagung und Impfung besiegt werden konnte, haben die verantwortlichen Behördenvertreter von EU, Bund und Ländern ausdrücklich der Jägerschaft für die intensive Mithilfe gedankt.

 

Tierarten sind im Jagdrecht bestens aufgehoben

Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, dürfen längst nicht alle gejagt werde. Sie unterliegen vielmehr der gesetzlichen Hegeverpflichtung der Jäger. Die erfolgreiche Wiedereinbürgerung des Wanderfalken, die positiven Bestandsentwicklungen von Waldschnepfe, Kolkrabe, aber auch Luchs, Seeadler und Wildkatze sind nur einige Beispiele dafür, dass unsere heimischen Wildarten im Jagdrecht bestens aufgehoben sind.

 

Ob eine Wildart tatsächlich bejagt werden darf oder nicht, richtet sich allein nach deren Jagd- und Schonzeiten. Derzeit haben bereits etwa zwei Drittel der dem Jagdrecht unterstehenden Wildarten eine ganzjährige Schonzeit. Wer als Jäger ein ganzjährig geschontes Tier erlegt, macht sich strafbar und verliert unweigerlich seinen Jagdschein und seine Waffenbesitzkarte.

 

Wo Wildbestände sich aus eigener Kraft nicht erholen, intensivieren Jäger ihre Hegebemühungen und verzichten im Zweifelsfall auch freiwillig auf eine Bejagung, wie im vergangenen Jahr in vielen Hasen- und Fasanenrevieren geschehen.

 

Die im Jahr 1976 vorgenommene Streichung der Doppelschnepfe, Uferschnepfe, Bekassine, des Wachtelkönigs, des großen Brachvogels, der Rohrdommel und des Triels aus dem Katalog der dem Jagdrecht unterliegenden Arten hat nachweislich keinen positiven Bestandstrend dieser Arten ausgelöst. All diesen Arten ist nach der Roten Listen (Bund) gemeinsam, dass sie entweder „ausgestorben oder verschollen“ bzw. „vom Aussterben bedroht“ sind.

 

In Deutschland ist seit über 100 Jahren keine einzige Wildart durch die Jagd ausgerottet worden. Demgegenüber sind im gleichen Zeitraum zahllose Arten, die dem Naturschutzrecht unterstellt waren, unter den Händen der Naturschützer ausgestorben.

 

Zahlen und Fakten

Auch die Behauptung der Jagdgegner bezüglich des Verwertungsgrades der erlegten Wildtiere ist falsch und entbehrt jeder Grundlage, denn nicht nur Paarhufer, sondern auch Hasen und Kaninchen, Wildtauben, Gänse, Stockenten u.v.m. werden traditionell gerne als Wildbret verzehrt.

 

Richtig ist, dass bundesweit etwa 85% der jährlich zur Strecke gekommenen Wildtiere dem menschlichen Verzehr zugeführt werden können (für NRW: 83%). Die absolute Zahl der verzehrbaren Individuen reduziert sich lediglich um den Anteil des im Straßenverkehr und durch Wildkrankheiten verendeten Wildes. Dieses darf natürlich aus hygienerechtlichen Gründen nicht in Verkehr gebracht werden.

 

Somit verbleiben 15% (NRW: 17%) der erlegten Wildtiere, die nicht für den menschlichen Verzehr genutzt werden können, wovon Füchse und Marder, Iltisse und Wiesel wiederum etwa 80% ausmachen.

 

Die Felle dieser Wildarten können allerdings traditionell hervorragend gegerbt und als Rauchwaren, also als Pelze, genutzt werden.

 

Die verbleibenden Wildtiere (ca. 3% der o.g. Streckenstatistiken) werden aus Gründen des Wildschutzes, des Artenschutzes, der Wildschadens- oder Tierseuchenprävention erlegt.

 

Aussetzen von Wild muss möglich bleiben

Auch bezüglich des Aussetzens von Wild liegen die Jagdgegner voll daneben, denn eine Wiederansiedlung beziehungsweise Bestandsstützung von standortheimischen Wildtieren ist unstrittig zu begrüßen, wenn es aus wissenschaftlicher Sicht sowie aus Sicht der Arterhaltung erforderlich erscheint und im Einvernehmen mit Eigentümern und Nutzungsberechtigten erfolgen kann.

 

Jagd- und Schonzeiten haben ihren Sinn

Bisher wurden Jagd- und Schonzeiten ausschließlich nach wildbiologischen Erkenntnissen und jagdpraktischen Erfordernissen, wie der Wildschadensverhütung, separat für jede Wildart festgelegt. Nur das macht Sinn und muss auch so bleiben.

 

Mit ihrer Forderung, die Jagd einheitlich auf die Monate September bis Dezember einzuschränken, werfen die Jagdgegner all diese Erkenntnisse von Wildbiologen über Bord. Das ist zwar für einfache Geister sehr bequem, aber keineswegs angemessen.

 

Das Gros der Wildschäden in der Landwirtschaft entsteht in den Monaten März bis August. Nach Vorstellung der Jagdgegner sollen Jäger also keine realistische Möglichkeit mehr haben, Wildschäden effizient zu verhindern.

 

Beizjagd ist zu erhalten

Was Anderen schützenswertes Kulturerbe ist, wollen die Jagdgegner zerschlagen. Gerade die Beizjagd, also die Jagd mit Greifvögeln, hat eine lange Historie, die mit der Menschheitsgeschichte fest verbunden ist.

 

Auch heute noch hat die Falknerei ihre jagdpraktische Bedeutung. So werden Falkner dort gerufen, wo sich der Einsatz von Büchse und Flinte verbietet, zum Beispiel bei der Taubenbejagung in Innenstädten, Kulturdenkmälern und öffentlichen Gebäuden.

 

Zudem leisten Falkner einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. So wäre die Wiedereinbürgerung des Wanderfalken in Deutschland ohne den engagierten Einsatz der Falkner nicht möglich gewesen. Darüber hinaus betreiben die Falkner auch in NRW zahlreiche Greifvogelauffangstationen, in denen verletzte Tiere aufgenommen und gesundgepflegt werden, so zum Beispiel in der Greifvogelstation Hagard im Rhein-Sieg-Kreis.

Ralph Müller-Schallenberg: „All unsere Aussagen und Forderungen sind wissenschaftlich fundiert und basieren nachweisbar auf Arbeiten ausgewiesener Rechts- und Artenschutzexperten.

 

Was Deutscher Tierschutzbund, BUND, NABU, ETN, Komitee gegen den Vogelmord, Animal Public, PETA und Bund gegen den Missbrauch der Tiere aktuell fordern, ist aus Tier- und Naturschutzgründen eine Katastrophe und rechtlich unhaltbar. Die genannten Verbände entziehen sich damit in kreaturverachtender Art und Weise ihre eigene Kernkompetenz, denn sie treten das Tierschutzziel des Tierwohls mit Füßen. Entweder sie wissen es nicht besser oder sie wollen es nicht besser. Beides ist mehr als schlimm!

 

Offenbar sind Jäger wirklich die besseren Tierschützer. Wir wiederholen daher erneut und mit Nachdruck unsere Forderung auf Anerkennung als Tierschutzverein.“

 

 

Dortmund, den 26. Juni 2014

 

 

 

Pressekontakt:

Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen e.V.

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