Presseartikel Jägerausbildung

Kreisjägerschaft Rhein-Sieg - Auf der Jagd nach Nachwuchs

Von Hans-Joachim Wimmeroth

RHEIN-SIEG-KREIS. "Die Jagd ist ein nachhaltiges Handeln und nutzt natürliche Ressourcen schonend." Norbert Möhlenbruch, promovierter Forstwirt und Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, ist davon überzeugt, dass es ohne Jagd und Jäger nicht geht.


 

"Wir Jäger nehmen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahr", sagte er jetzt anlässlich der Vorstellung des Jungjäger-Ausbildungslehrganges.


 

Dabei denkt er an die Kontrolle von Wildbeständen, vornehmlich bei Wildschweinen, Rehen, Tauben und Kaninchen. Laut Möhlenbruch würden sie sich ohne den Eingriff der Jäger unkontrolliert vermehren. In einer fast ausschließlich bewirtschafteten Natur hätte das katastrophale Auswirkungen, so Möhlenbruch.


 


Dr. Norbert Möhlenbruch (links) und Lehrgangsleiter Klaus Oehlmann (rechts)

Seiner Meinung nach nähmen die Schäden in Wald und Landwirtschaft rapide zu, falls man die Wildtiere sich selbst überlassen würde. Die Folgekosten müsste die Gesellschaft tragen, während derzeit noch die Jagdrevierpächter Wildschäden regulieren müssten, erklärt Möhlenbruch.


 

Überhöhte Wildbestände produzieren aber auch Krankheiten, wie etwa die Fuchsräude. Zwar ist die Tollwut im Kreis nach erfolgreichen Impfaktionen erloschen, aber nach wie vor droht laut Kreisjägerschaft der sogenannte Fuchsbandwurm. Dessen Eier werden über den Kot der Füchse verbreitet, die Krankheit endet meist tödlich.


 

Die Räude tritt bei zu hohen Fuchsbesätzen ebenfalls schnell auf - die Tiere verenden qualvoll, und es können auch Hunde damit infiziert werden, die im Wald oder Feld spazieren geführt werden. "Nur der Jäger kann mit Waffe und Falle den Fuchsbesatz klein halten", sagt Möhlenbruch. Dadurch haben die Tiere wenig Kontakt miteinander und die Infektionsketten werden unterbrochen.


 

Die Jägerschaft ist per Gesetz zur Hege verpflichtet. Als Beispiel führte Möhlenbruch das zurzeit laufende Rebhuhnprojekt im Raum Niederkassel an. Dort ist bereits unter wissenschaftlicher Begleitung festgestellt worden, dass die Rebhühner im Frühjahr verhungern, weil sie in der stark bewirtschafteten Feldflur nichts zu fressen finden. Die Folge: Die Jäger müssen füttern, um dem Rebhuhn eine Überlebenschance zu geben.


 

"Die Jägerschaft hat viele Aufgaben, dazu gehört natürlich auch das Erlegen von Wild", sagt Möhlenbruch und ergänzt: "Und was ich schieße, esse ich auch." Das macht für den Kreis jährlich rund 138 Tonnen Fleisch, von denen um die 30 Tonnen in den Handel gehen. Den Rest verzehren Jäger, ihre Angehörigen oder Freunde. "Zuvor muss allerdings der Wildbestand gezählt werden", so der Vorsitzende, "denn nur der jährliche Zuwachs darf erlegt werden."


 

Für diese vielfältigen Aufgaben braucht es Personal. Zwar hat die Kreisjägerschaft 1300 Mitglieder, wie Bundesförster und Lehrgangsleiter Klaus Oehlmann erklärt, "aber wir brauchen noch mehr ausgebildete Helfer, sprich Jägerinnen und Jäger". Möhlenbruch ergänzt, dass sie gerne die Frauenquote auf mehr als 20 Prozent heben wollen. "Die Jagd ist schon lange keine Männerdomäne mehr", pflichtet ihm seine Stellvertreterin Elisabeth Trimborn bei.


 

"Wir bilden ab dem 23. Oktober wieder für das 'Grüne Abitur' aus", sagt Oehlmann. In dem Lehrgang, der im April und Mai nächsten Jahres mit der Jägerprüfung endet, werden die Teilnehmer unter anderem in folgenden Bereichen geschult: Wildbiologie und -hege, Naturschutz und Jagdbetrieb, Hundewesen, Wildbrethygiene, Erkennen von Wildkrankheiten, Jagd-, Naturschutz- und Landschaftspflegerecht sowie Waffenkunde und Waffengebrauch.


 

"Wir wollen aber keine Theoretiker", sagt Oehlmann und ergänzt: "Zu den rund 180 Theoriestunden kommen noch zahlreiche praktische Übungen, Exkursionen und die Teilnahme an Lehrjagden."


 


Kurz gefragt:

 

Über den Stellenwert der Jagd in der Gesellschaft sprach Hans-Joachim Wimmeroth mit Norbert Möhlenbruch, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg.

 

Herr Möhlenbruch, haben Sie Nachwuchssorgen in der Kreisjägerschaft?

 

Norbert Möhlenbruch: Ganz und gar nicht. Aber unsere Aufgaben wachsen ständig, und wir hätten gerne mehr Frauen und Männer in unseren Reihen. Dabei sind uns auch Jugendliche willkommen, die bereits im 16. Lebensjahr in unseren Lehrgang kommen können. Mit dem 16. Lebensjahr erhalten sie dann den sogenannten Jugendjagdschein, mit dem sie unter Einschränkungen und Aufsicht eines erwachsenen Jägers jagen dürfen.

 

Was macht denn den Wert eines Jägers in der heutigen Gesellschaft aus?

 

Möhlenbruch: Die Jägerschaft setzt sich für Ziele ein, die die Gesellschaft vorgibt. Der Naturschutz wird immer wichtiger, und da sind auch die vielseitig ausgebildeten Jäger gefragt. Denken Sie nur an die Hegemaßnahmen etwa durch Anlegen von Wildwiesen oder Hegebüschen. Davon profitiert nicht allein das jagdbare Wild, sondern auch andere Tiere haben ihren Nutzen. Geprüfte Jäger haben ihr Wissen nicht nur aus Büchern, sondern werden praxisnah ausgebildet und handeln später danach.

 

Jagd ist also mehr, als nur Tiere zu töten?

 

Möhlenbruch: Das Erlegen von Wild ist sicher eine wichtige Kernaufgabe der Jagd. Nur wenn wir Wildbestände regulieren, kann sich der Wald natürlich verjüngen oder werden Wildkrankheiten eingedämmt oder ihr Aufflackern verhindert.

 

 

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