Argumente für die Jagd an Rhein und Sieg

Nachhaltiger Nutzen

Die öffentliche Diskussion um eine gesunde Ernährung nimmt immer stärker das Thema artgerechter Tierhaltung ins Visier – Fleischskandale und Tierschutzproteste lassen uns nachdenklich werden. Wer Fleisch als Mineral- und Eiweißträger zu Recht nicht vom Speiseplan streichen will, hat eine interessante Alternative: Fleisch von heimischen, jagdbaren Tieren. Von den im Rhein-Sieg-Kreis jährlich etwa 137,5 t gewonnenen Wildfleisch gehen etwa 20 bis 30 t jährlich in den Handel; der Rest wird von Jägerinnen und Jägern selbst verbraucht. Das größte Kontingent stellen dabei die Wildsauen, gefolgt von Rehwild, Rotwild, Damwild sowie Kaninchen, Hasen, Wildenten, Tauben und Gänsen.

Vor dem Jagen steht aber zunächst das Zählen, denn nur der jährliche Zuwachs an Wild darf erlegt werden. Da die Tiere zudem der natürlichen Umwelt entnommen werden und die Lieferwege zum Kunden kurz sind, kann man Jagen als besonders nachhaltiges Handeln des Menschen bezeichnen.

Hegen

Der Begriff Hege ist der Jägersprache entnommen, umgangssprachlich wurde er zum Inbegriff eines behutsamen und fürsorglichen Umganges mit der Natur. Dazu gehören alle Maßnahmen, die die Artenvielfalt einer Landschaft unterstützen wie die Anlage und Pflege von Teichen, Hecken und Wildwiesen und die Bewältigung von Notsituationen. Weniger bekannt ist aber, dass zur Hege auch die Regulation von Tierbeständen zählt. Unsere heimischen Wälder können sich nur dann natürlich verjüngen, wenn Reh, Hirsch und Wildschwein nicht überhand nehmen. Hier ist die enge Zusammenarbeit mit Förstern und Waldbesitzern gefragt. Landwirte werden durch überhöhte Schwarzwildbestände geschädigt, weil diese Wildart besonders von Umweltveränderungen wie Klimawandel und vermehrtem Maisanbau profitiert. Kaninchen bevölkern Gärten und Friedhöfe – ohne Jagd ist ihnen nicht beizukommen. Aus Sicht des Artenschutzes ist auch die Bejagung von Füchsen und Steinmardern sinnvoll. Beide äußerst lernfähigen Tierarten haben längst die Städte und Dörfer zu ihrer Heimat gemacht, sind also besondere Kulturfolger und profitieren von zunehmender Besiedlung.

Anders das Rebhuhn, seine Bestandszahlen gehen stark zurück, was wiederum an der Veränderung seiner Lebensräume liegt, aber auch dem hohen Druck seiner natürlichen Fressfeinde wie Fuchs und Marder geschuldet ist. Um dem Rebhuhn in besonderer Weise zu helfen, erhält die Kreisjägerschaft Rat und Hilfe durch die Wissenschaft: zur Zeit wird im Raum Troisdorf/Niederkassel in Zusammenarbeit mit der Wildforschungsstelle der Frage nachgegangen, warum die Rebhühner in den letzten Jahren ohne Bejagung drastisch zurückgegangen sind und welche Gegenmaßnahmen von Jägern und Grundeigentümern zu ergreifen sind. Am Ende soll hier eine Kooperation mit der Landwirtschaft stehen, um geeignete Lebensräume einzurichten. Wichtig ist, dass bei allen regulierenden Eingriffen das Gleichgewicht zwischen den Arten erhalten bleibt.

Krankheiten eindämmen

Die von Füchsen verbreitete Tollwut ist an Rhein und Sieg erloschen – dank der jahrelang groß angelegten, erfolgreichen Impfaktionen von Jägern und zuständigen Kreisbehörden. Eine andere Krankheit, nämlich der Fuchsbandwurm, ist aber weit verbreitet und birgt für den Menschen eine tödliche Gefahr: er kann durchaus beim Genuss von Brom- und Himbeeren aus dem Walde übertragen werden.

Bei hohen Dichten leiden Füchse selbst an Räude, die einen qualvollen Tod nach sich zieht. Die Räude wird von einer Hautmilbe übertragen. Sie verursacht eine allergische Reaktion mit offenen Wunden bis hin zum völligen Fellverlust. Eine Übertragung der Krankheit auf den Hund ist möglich.

Die Jagd soll also zu hohe Bestandeszahlen verhindern. Vor wenigen Jahren wurde das Schwarzwild des Rhein-Sieg-Kreises von der Schweinepest erfasst und alarmierte Veterinäre und Landwirte. Die Jägerschaft schaffte es, durch intensive und konzentrierte Jagd und das Auslegen von Impfködern, diese Geißel zu verdrängen. Eine neue Bedrohung durch eine weitere Pestkrankheit steht uns aus Osteuropa ins Haus.

Für Gesellschaft engagieren

Die in der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg organisierten 1300 Jägerinnen und Jäger haben eine umfangreiche Ausbildung durchlaufen und nehmen nach staatlicher Prüfung verschiedene von der Gesellschaft geforderte Aufgaben wahr. In der Umweltbildung verzeichnet die rollende Waldschule bis zu 100 Termine im Jahr. Die Tier-und Pflanzenwelt der Rhein-Sieg-Landschaft wird mit Präparaten und Schautafeln anschaulich und zum Anfassen erlebt. Dazu kommen Führungen in der Natur und die Beratung von Kreisbehörden. Jagdhornbläser gestalten Veranstaltungen von Kommunen und Vereinen. Herbstliche Hubertusmessen ziehen viele Menschen in die Kirchen. Jägerinnen und Jäger übernehmen Ausbildungskurse für Hunde. Damit kann der sogenannte Begleithundnachweis erlangt und die Fähigkeit trainiert werden, mit Hunden in freier Natur verträglich unterwegs zu sein. Die Falknergruppe „Hagard“ der Kreisjägerschaft ist ganzjährig unterwegs, um verletzte Greifvögel und Eulen aufzunehmen, mit Tierärzten zu pflegen und dann wieder in die freie Natur auszuwildern.

Mehr als 1000 Wildtiere sterben jährlich auf den Kreisstraßen oder werden verletzt. Insbesondere zur Nachtzeit werden Jäger von der Polizei zu den Unfallorten beordert, um zu helfen. Steinmarder nisten sich in Häuser ein und beschädigen zunehmend PKWs – auch in diesen Fällen sind die Jäger gefragt, um die Tiere lebend zu fangen und wieder in die Wildbahn zu entlassen. Letztlich müssen die Einsätze für den Natur- und Artenschutz bei den einzelnen Hegemaßnahmen in den Revieren auch als gesellschaftlich gefordertes Engagement verstanden werden.



Weitere Informationen rund um die Jagd an Rhein und Sieg finden Sie auf dieser Website (www.kjsrheinsieg.de).

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