Wie werde ich Jäger ? – Bis zur Prüfung ein mühseliger und spannender Weg

Es gibt viele Anlässe, aus denen manche sich dazu entschließen, den Jagdschein zu machen. Vielleicht wurde man schon in eine Jägerfamilie hinein geboren oder wird von seinen Freunden oder Kollegen dazu animiert. Auch die Liebe zur Natur und das Interesse an Wildtieren mögen gute Gründe sein.
2005-03-05 0268

Auch bei starken Schneetreiben und Kälte ist man mit Eifer dabei - die Kälte spürt man nicht

Die Kreisjägerschaft Euskirchen bietet seit 1955 jährlich einen Vorbereitungskursus für die Jagdscheinprüfung an. Beginn ist jeweils im Oktober und die Teilnehmer werden im Mai des folgenden Jahres ihre Prüfungen ablegen. Es gibt viele Anlässe, aus denen manche sich dazu entschließen, den Jagdschein zu machen. Vielleicht wurde man schon in eine Jägerfamilie hinein geboren oder wird von seinen Freunden oder Kollegen dazu animiert. Auch die Liebe zur Natur und das Interesse an Wildtieren mögen gute Gründe sein.

Begleiten wir unseren Jagdscheinanwärter Hubertus W., der auszog, das Waidwerk zu erlernen.

Sein Vorsatz, Jäger zu werden, war schon vor über 40 Jahren gefasst. Als „Junge vom Lande“ mit einem der schönsten Rotwildgebiete vor der Tür und in gleicher Weise denkenden Freunden, lag diese Besinnung nicht fern. Vier Freunde – und alle wollten sie Jäger werden. Doch was geschah? Na klar, was in der Jugend nicht ausbleibt, das Interesse an den Mädels gewann die Oberhand. Den Kurs kann man ja auch noch später absolvieren ...  So ging dann die Zeit ins Land. Heirat, Hausbau, berufliche Fortbildung, Sohn. --- Familienpflege stand im Vordergrund. Die familiären Verpflichtungen beherrschten die Geschehensabläufe. Irgendwann im letzten Jahr: Gelangweilter Blick ins Internet. Mal sehen, was die Jägerschaft an Nachrichten ausweist. Da gibt es den Hinweis auf den nächsten Jägerkurs. „Mensch – Du wolltest doch immer...“ Zu spät – der Infoabend ist schon gewesen. Rücksprache mit einem Freund: „Denkst  du ich könnte da noch hin? Hat das noch Zweck? Ja - und außerdem, ich bin schon 56.“ „Frage doch mal und probiere es einfach. Auf die ersten Stunden wird es nicht ankommen. Zu alt – es gehen noch ältere in den Kurs.“ Und dann dieses: „Zeig doch mal, dass Du noch was drauf hast.“ So motiviert aber mit einer gehörigen Portion Skepsis im Herzen ging er dann in die ersten Unterrichtsstunden. Erst mal reinhören, was denn da so geboten wird. Am ersten Unterrichtsabend wurden die Inhalte und Ziele des Jägerkurses vorgestellt. Na, doch ganz interessant. Interessanter als er sich das vorab vorgestellt hatte. Es sind ja auch noch einige ältere Kursteilnehmer dabei. Gott sei Dank! 

Bevor er sich jedoch festlegt, befasst er sich intensiver mit den Lehrinhalten. Ja, doch – es sagt ihm zu. So wächst er immer mehr in den Lehrgang hinein und bleibt. Und die Leute gefallen ihm immer besser. Neun Monate lang trifft er sich mit siebzehn Unentwegten – Handwerker, Angestellte, Beamte, Schüler und Studenten, Rentner und Kaufleute – Männer und Frauen – an zwei Abenden in der Woche in Mechernich, um sich in die Geheimnisse des Waidwerks von erfahrenen Ausbildern einweihen zu lassen. Doch zunächst ist alle Jagd nur blasse Theorie. Gelernt wird anhand von Folien, ausgestopften Tieren (Präparaten), Geweihen und natürlich mit Hilfe der ausführlichen Fachliteratur. Da ein guter Schütze allein noch keinen guten Jäger ausmacht, aber ein guter Jäger unbedingt ein guter Schütze sein muss, geht es samstags zum Training auf den Schießstand.

 

Irgendwann ist es soweit, dass er sich beim Spaziergang Vorträge hält: über den Zahnwechsel des Rehwildes, die Vorschriften für den Hochsitzbau, den natürlichen Sinn der Eiruhe, die Unterschiede zwischen Schwimm- und Tauchenten, das Fleischhygienegesetz, die Bundeswildschutzverordnung und das Washingtoner Artenabkommen, über Abschusspläne und Lebensraumgutachten, über Schweinepest und Nagerseuche, über deutsche und französische Stecher, über Baskülen und Kammerstengel und über die besondere Bezeichnung von Patronen der Kaliber 8x57IS und 8x57IRS. Auf feuchten Wegen haftet sein Blick am Boden. Er sucht nach Spuren, Fährten und Geläuf. Und wenn er ein Trittsiegel mit deutlich abgebildetem Geäfter entdeckt, dann ist er glücklich, weil die Fährte des Schwarzwildes wirklich so aussieht wie im Lehrbuch.

Im Kreise der Lerngemeinschaft hat er auch neue Freunde gefunden, die mit ihm eine große Aufgabe lösen wollen. Es bilden sich Lerngruppen und an den kalten Tagen auf dem Schießstand werden wie selbstverständlich kleine Annehmlichkeiten wie Kaffee und Brötchen organisiert, sogar mal die Erbensuppe mit reichlich Wurst mitgebracht. Man gestaltet sich die Aufgabe angenehm, unterstützt einander und versorgt die Teilnehmer mit neuem Informationsmaterial, Schusstabellen und Munitionsblättern.

Trotz der Paukerei gab es im Unterricht immer wieder viel zu lachen. Die Ausbilder vermitteln das zu erlernende Wissen kompetent und haben immer ein offenes Ohr für Fragen und Probleme. Das Erlernte muss auch im Selbststudium geübt und vertieft werden, d. h. lesen und dazulernen. Hin und wieder kam es in dieser Zeit zu kleineren Konflikten in der Familie und zu Beschwerden von Freunden, die sich vernachlässigt fühlten. Die Freizeit wurde knapp. Man setzte sich ständig selbst unter Druck, um sein Lernpensum zu erfüllen und trotzdem allen privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Die Familie unterstützt ihn wo sie kann. Wenn er die Jägerprüfung, „das Grüne Abitur“, bestanden hat, kann er mit einiger Berechtigung von sich sagen, in dieser Zeit fast so etwas wie eine zweite Berufsausbildung absolviert zu haben. Je näher die Prüfungstermine rücken, umso nervöser werden alle. Es wird gejammert und geklagt, gestritten und letztendlich doch wieder zusammengehalten.

 

Die erste Hürde war die schriftliche Prüfung, wer hier durchfällt, darf es erst im nächsten Jahr wieder versuchen. Entsprechend groß war die Aufregung. Einer hat es nicht geschafft – schade.