Feldhase im Fokus der Jäger

Berlin, 8. April 2014 (djv)  Bilanz nach 12 Jahren Wildtierzählung

 

In Deutschland leben im Durchschnitt 11 Feldhasen pro Quadratkilometer Offenlandfläche. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler und Jäger, die für den Deutschen Jagdverband (DJV) und seine Landesjagdverbände zwei Mal jährlich die Feldhasenbestände in knapp 400 repräsentativen Referenzgebieten ermitteln. Die Zahl bezieht sich auf den Frühjahrsbestand der Feldhasen im Jahr 2013. Erfasst werden die Daten für das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD).

Karte Populationsdichte

Die Feldhasendichten schwanken seit Beginn der Zählungen im Jahr 2002, sind aber über den Gesamtzeitraum hinweg betrachtet stabil geblieben. Maßgeblich beeinflusst werden diese durch den Zuwachs in den einzelnen Jahren. Die Wissenschaftler ermitteln dafür eine sogenannte Nettozuwachsrate: Die Zählergebnisse von Frühjahr und Herbst desselben Jahres werden verglichen. In den vergangenen Jahren liegen die Zuwachsraten in Deutschland auf relativ niedrigem Niveau und sind in manchen Regionen sogar negativ. Es gab also im Extremfall über den Sommer mehr Verluste als Nachwuchs.

 

Die Gründe für stagnierende Bestandszahlen sind vielfältig und noch nicht abschließend erforscht. Sicher ist jedoch, dass nicht eine Überbejagung des Feldhasens dafür verantwortlich gemacht werden kann, vielmehr wird die Jagdintensität an die Bestände angepasst. Eine Kombination verschiedener Faktoren wie Lebensraumqualität, Fressfeinde, Klima, Witterung und Krankheiten wirkt sich auf die Bestandsdynamik der Feldhasen aus. Insbesondere die Intensivierung der Landwirtschaft setzt den Bewohnern der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft zu. „Die fetten Jahre für den Feldhasen sind anscheinend vorbei. Heute müssen sie wie Rebhuhn oder Feldlerche mit größeren Feldern, schnelleren Maschinen und erhöhtem Düngemitteleinsatz zurechtkommen“, sagt Johanna Maria Arnold, Referentin für Wildökologie und Wildtiermanagement im DJV. Es mangele es an nährstoffreicher Äsung und an Deckung, die Schutz bietet vor Fuchs, Marder oder Greifvögeln. Besonders die neugeborenen Hasen sind gefährdet, mehr als die Hälfte vollenden laut DJV das erste Lebensjahr nicht. Unterschätzt wurden bisher verschiedene Krankheitsgeschehen als Rückgangsursache vieler Niederwildarten. Dort bestehe Forschungsbedarf, so Arnold.

 

„Es ist an der Zeit umzudenken!“, sagt Dr. Daniel Hoffmann, zuständig im DJV-Präsidium für WILD. „Die anstehende Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik bietet Chancen, den Lebensraum für den Feldhasen und anderen Arten zu verbessern.“ Wie dies gemeinsam mit Grundeigentümern, Landwirten und Energiewirtschaft gelingen kann, zeigt unter anderem das Projekt „Energie aus Wildpflanzen“ des Netzwerks Lebensraum Feldflur mit zwei Dutzend Partnern.

 

„Eine wildtierfreundlichere Landwirtschaft kann gelingen, wenn Ener-giewende und Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik von der Bun-desregierung vernünftig verzahnt werden“, sagt Dr. Hoffmann. Beispielsweise habe der Anbau von Wildpflanzen für die Biogasproduktion den positiven Nebeneffekt, dass neuer Lebensraum für Feldhase, Feldlerche und viele Insektenarten entstehe.

 

Hintergrundinformationen: Generell wird der Feldhase in Deutschland sehr zurückhaltend bejagt, was sich in der Jagdstatistik wiederspiegelt. So wurde z.B. in Baden-Württemberg im Jagdjahr 2011/12 in 74 Prozent aller Jagdreviere überhaupt kein Feldhase erlegt. Die offizielle Jagdstatistik enthält neben erlegten Hasen auch Unfallwild, das wie in Brandenburg bis zu 60 Prozent am Gesamtwert ausmacht. Weitere Forschung ist unbedingt vonnöten, um die richtigen Schritte für den langfristigen Erhalt des Feldhasen und anderer Bewohner der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft zu setzen. Geschulte Jäger unterstützen Jahr für Jahr ehrenamtlich die Zählungen in WILD. Damit setzen sie sich für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Wildtieren in unserer Kulturlandschaft ein.