Ostern fällt aus?

Jäger sorgen sich um frei lebende heimische Tierwelt – Fotoaktion gegen Artensterben

 

15. April 2014, Dortmund (LJV). Keine Angst! Auch wenn das Foto den Eindruck vermittelt, der Osterhase persönlich sei Opfer einer wildernden Hauskatze geworden, so wird doch auch in diesem Jahr Ostern nicht ausfallen. Zudem ist die abgebildete Beute ein Kaninchen und kein Hase. Aber beide Wildarten wie auch Bodenbrüter und andere Singvögel werden all zu oft Opfer verwilderter herrenloser Katzen. Bei jedem Natur- und Tierschützer muss das Bild daher Alarm auslösen. Schätzungsweise 2 Millionen verwilderte Katzen streunen in Deutschland herrenlos umher und fügen Vögeln, Amphibien und Säugern bis zur Größe eines Hasen erhebliche Verluste zu.

Katze

Tierschutz muss auch für die frei lebende Tierwelt wie Kaninchen, Hasen oder Singvögel gelten - das fordern die nordrhein-westfälischen Jäger.

 

 

Regelmäßig erreichen den Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen (LJV) Fotos wie dieses. „Tierschutz ist unteilbar. Er gilt für Haustiere ebenso wie für Wildtiere. Viele Tierschützer konzentrieren sich einseitig auf den Schutz von Haustieren, sehen aber das Leid von Wild und anderen frei lebenden Tierarten nicht“, sagt Jagdverbandspräsident Ralph Müller-Schallenberg. „um dieses Problem kümmern sich aber die Jäger.“ Deshalb fordern sie im Sinn eines ungeteilten Tierschutzes, weiterhin die heimische Tierwelt vor wildernden Haustieren schützen zu können. Lösungsansätze sehen die Jäger auch durch die Einführung von Kastrations- und Registrierungsprogrammen sowie der Einführung einer Katzensteuer.

 

Wildernde Katzen gefährden massiv den Schutz wild lebender Tierarten. Gerade jetzt im Frühjahr sind die Jungtiere in der Natur besonders gefährdet. „Wir bitten deshalb alle Tierhalter, Katzen und Hunde in der freien Natur nicht unbeaufsichtigt streunen und wildern zu lassen“, sagt Müller-Schallenberg. Nach Berechnungen des Deutschen Jagdverbandes erbeuten die vermeintlich zahmen Stubentiger und Schoßhunde während der Brut- und Aufzuchtzeit bis August etwa eine Million Kaninchen und Hasen sowie über sechs Millionen Vögel. Größere Hunde machen auch vor wehrlosen Kitzen oder trächtigen Ricken (Mutterrehen) nicht Halt. Das Problem mit wildernden Katzen gibt es nicht nur in den Jagdrevieren, sondern auch in den heimischen Gärten. Deshalb ärgern sich immer mehr Leute über den „stummen Frühling“, weil sie Vogelstimmen nicht mehr hören.

 

Über 500.000 Haustiere werden zudem Jahr für Jahr in Deutschland ausgesetzt, zumeist Katzen und Hunde vor allem in der Ferienzeit. Das Aussetzen von Haustieren ist laut Landesjagdverband nicht nur verantwortungslos, sondern auch ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, der mit bis zu 25.000 Euro Strafe geahndet werden kann. Tatorte sind Raststätten, Landstraßen und Waldränder. Viele der handzahmen Vierbeiner verenden hier kläglich. Aber die überlebenden Hunde und Katzen üben in der freien Natur einen enormen Räuberdruck auf Singvögel und Kleinsäuger aus. Studien belegen: Eine streunende Katze kann pro Jahr bis zu 1.000 Vögel, Kleinsäuger und Amphibien erbeuten.

 

Die Gefahr der frei lebenden Tierwelt durch verwilderte Haustiere will der Landesjagdverband auch durch eine Fotoaktion weiter dokumentieren. Wildernde Katzen mit ihrer Beute, ausgeräumte Gelege, aber auch Risse von wildernden Hunden gehören dazu. Jäger und andere Tier- und Naturschützer können mit den Fotos auf das Problem aufmerksam machen und im Internet und den digitalen Netzwerken veröffentlichen. Seit dem Start der Aktion Ende März sind dem LJV bereits 50 solcher Fotoaufnahmen geschickt worden.

So kann sich jeder beteiligen:

• Beobachtungen per Foto festhalten und gut abrufbar speichern

• Fotos an den Landesjagdverband NRW schicken und ggf. zur öffentlichen Nutzung freigeben (presse@ljv-nrw.de)

• Beteiligung an Diskussionen in Netzwerken und Infos darüber an den Landesjagdverband (info@ljv-nrw.de)

 

Pressekontakt:

Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Andreas Schneider

Gabelsbergerstraße 2

44141 Dortmund

Tel.: 0231/2868-810

Fax: 0231/2868-888

E-Mail: aschneider@ljv-nrw.de

 

Daten und Fakten zu verwilderten Haustieren

Einer US-Studie zufolge töten allein in den USA Katzen bis zu 3,7 Milliarden Vögel sowie 20,7 Milliarden kleine Säuger. Die Ergebnisse übersteigen alle bisher getroffenen Annahmen anderer amerikanischer Studien (http://bit.ly/1j1VTMl). Gemäß einer Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2002) gehören Katzen zu den “wichtigsten schadensverursachenden Neozoen in Deutschland. [...] Die freilaufende Hauskatze ist die absolute Bedrohung der Singvögel im siedlungsnahen Bereich.” (http://bit.ly/1gQfihW). Wissenschaftliche Studien werden zudem in Haustierforen bestätigt: Unter der Rubrik “Was bringen denn Eure Katzen so nach Hause?” findet man das komplette Beutespektrum der vierbeinigen Lieblinge (z.B. http://bit.ly/18LiYNf http://bit.ly/18LiAyl).

 

Weiterführende Literatur

 Loss et al. 2012. The impact of free-ranging domestic cats on wildlife of the United States. In: Nature Communications. DOI: 10.1038/ncomms2380. http://bit.ly/1j1VTMl

Kinzelbach et al. 2002. Bestandsaufnahme und Bewertung von neozoen in Deutschland. Untersuchung der Wirkung von Biologie und Genetik ausgewählter Neozoen auf Ökosysteme und Vergleich mit den potenziellen Effekten gentechnisch veränderter Organismen. Heft 25/2002. Umweltbundesamt, ISSN 1862-4804 http://bit.ly/1gQfihW

Coleman et al. 1997. Cats & Wildlife – A Conservation Dilemma. http://bit.ly/1ayIpHo

 

Wussten Sie schon, dass …

… einer der wahrscheinlichsten Erklärungsansätze für die Entstehung des Glaubens an den Osterhasen bis in die Zeit der Germanen zurückreicht? So kann man im März und April auf Feldern und Wiesen die Hasen oft besonders gut und zahlreich bei der Paarung beobachten. In dieser Jahreszeit findet man aber auch die Gelege (Nester) der Bodenbrüter mit ihren oft bunt gesprenkelten Eiern. Beide Beobachtungen werden unseren Vorfahren nicht entgangen sein und was lag näher, als die eine mit der anderen zu verknüpfen. – Und schon brachte der Hase die Eier.

Die Hochzeitsgesellschaften der Hasen sieht man heute noch. Bodenbrüter wie Kiebitz, Brachvogel oder Feldlerche sind hingegen schon äußerst selten. Wildernde herrenlose Katzen haben ihren Anteil dazu beigetragen.